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Startseite : Bewegung und Ernährung : Beiträge - 2012 : Wie moderne Technologien das Bewegungsverhalten beeinflussen


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Serie zum Thema 'Körperliche Aktivität'


Donnerstag, 27. September 2012

Mit dem Auto zum Sport, mit dem Handy zum Wunschgewicht: Wie moderne Technologien das Bewegungsverhalten beeinflussen


Die heutige Welt lädt zum "Sitzenbleiben" ein: Autos machen das Gehen überflüssig, virtuelle Welten halten uns stundenlang am Computer fest. Andererseits lässt sich mit dem Auto ein Fitnessstudio oder ein Wald am Stadtrand leicht erreichen und Internetprogramme motivieren zu Sport und gesunder Ernährung. Welchen Einfluss moderne Technologien auf die körperliche Aktivität haben, untersuchten Forscher um Michael Pratt vom US-Nationalen Präventionszentrum in Atlanta, USA.

Jährlich sterben 3,2 Millionen Menschen an den Folgen körperlicher Inaktivität. Wurde bisher das Augenmerk hauptsächlich auf das persönliche Verhalten des Einzelnen gelegt, so nehmen Forscher zunehmend auch die Umwelt mit in den Blick. Besonders Sektoren außerhalb des Gesundheitssektors hätten Einfluss auf die körperliche Bewegung, so der Arzt Michael Pratt. Doch wie können zum Beispiel Gehen und Radfahren wieder populärer werden?


Ciclovía - eine Stadt in Bewegung
Bogotà, die Hauptstadt Kolumbiens, macht es beispielhaft vor: Sonntags werden die Straßen sieben Stunden lang für Autos gesperrt. "Ciclovía" heißt das Projekt, das bereits in den 70er Jahren startete (Link). Auf 97 Kilometern Straße toben sich jeden Sonntag ca. 600.000 bis 1,4 Millionen Teilnehmer aus. Sie skaten, gehen spazieren, laufen. Den Staat kostet das Jährlich 1,7 Millionen US-Dollar, doch es lohnt sich: Die Nutzen-Kosten-Relation liegt bei 3,23 bis 4,26. 90% der Teilnehmer kommen aus Schichten mit geringem bzw. mittlerem Einkommen. Beteiligt sind die Sektoren Kultur, Sport, Transport, Stadtplanung, lokale Regierung, Freizeit, Bildung, Gesundheit und Polizei. 15% der Ciclovía-Teilnehmer würden laut eines Surveys im Jahr 2009 die Sonntage sitzend verbringen, wenn es diese Aktion nicht gäbe. Inzwischen gibt es "Ciclovías" in mehr als 100 Städten Amerikas.


In Ländern mit niedrigem Einkommen haben die Menschen eher Zugang zu einem Handy als zum Internet.
Aktionen wie "Ciclovía" lassen sich über das Internet finden. Das Internet gilt als ein wichtiges Medium, um Menschen zu körperlicher Aktivität zu führen. Doch nicht jeder hat Zugang zur virtuellen Welt, auch wenn die Verbreitung rasch wächst. Hatten in Ländern mit niedrigem Einkommen 1997 erst 0,01% der Bevölkerung Zugang zum Internet, so sind es im Jahr 2009 etwa 4,3%. In Ländern mit mittlerem Einkommen verlief die Verbreitung schneller: In diesem Zeitraum wuchs der Anteil der ans Internet angeschlossenen Bevölkerung von 0,21% auf 23,8%. In Ländern mit hohem Einkommen stieg der Anteil von 11,2% im Jahr 1997 auf 51,9% im Jahr 2009 an. Diese Kluft zwischen Ländern, in denen sich das Internet leicht erreichen lässt und solchen, in denen der Zugang erschwert ist, nennt sich "Digitale Spaltung" (englisch: Digital Divide).

"Gerechter" scheint da die Verbreitung der Handys zu sein. In Ländern mit hohem Einkommen besitzen 96,3% der Bevölkerung ein Handy. Im Zeitraum von 1997 bis 2009 stieg der Anteil der Menschen, die Zugang zu einem Handy haben, global stark an: von 0,05% auf 28,9% in Ländern mit geringem Einkommen, von 1% auf 71% in Ländern mit mittlerem und von 17,9% auf 96,3% in Ländern mit hohem Einkommen. Den Handys könnte also eine besondere Bedeutung bei der Verbreitung von Gesundheitsinformationen zukommen.


Mehr Bewegung durch Informationen via Handy
Ein Beispiel für ein gelungenes Handy-Projekt liefert ein australisches Programm für junge Mütter mit zumeist niedrigem Einkommen (Australian Women's Activity Survey, Link): Die Frauen erhielten bald nach der Geburt ihres Kindes 42 SMS in 13 Wochen mit persönlich zugeschnittenen Gesundheitstipps und Hinweisen auf lokale Fitness-Aktionen und -Einrichtungen. Viele Mütter veränderten daraufhin ihr Verhalten, was sich vor allem in einer erhöhten Anzahl von Spaziergängen oder Walking-Aktivitäten zeigte.

In einem Simulationsmodell konnten die Autoren zeigen, dass durch Web- und Handy-basierte Programme die Zeit, in der sich die Menschen bewegen, zunehmen würde. Für Handy-basierte Interventionen ermittelten die Autoren, dass die Zeit körperlicher Aktivität in Niedriglohnländern um 4,37 Minuten pro Woche gesteigert werden kann. In Ländern mit unterem mittleren Einkommen liegt diese Zahl bei 8,22 Minuten pro Woche, bei höherem mittleren Einkommen bei 13,52 Minuten pro Woche und in Ländern mit hohem Einkommen bei 14,03 Minuten pro Woche.

Michael Pratt und seine Kollegen sehen in den modernen Kommunikationsmitteln ein hohes Potenzial, um körperlich inaktive Menschen zu mehr körperlicher Aktivität zu bewegen. Auch Verkehrsmittel und -wege ließen sich so ausbauen, dass die Menschen wieder mehr Lust und Möglichkeiten hätten, sich zu bewegen. Dabei spielten auch Details eine Rolle, wie zum Beispiel das Design von Bussen und anderen Verkehrsmitteln.



Zusatzinformationen

In Deutschland werden zur Zeit viele ehemalige Bahntrassen zu Radwegen umgebaut. Hier lassen sich Radtouren planen.
Mehr Informationen finden Sie hier und hier.

Pratt, Michael et al. (2012): The implications of megatrends in information and communication technology and transportation for changes in global physical activity. Lancet 2012; 380: 282-29, Published online: 18. Juli 2012
Den vollständigen Artikel finden Sie hier.


Der Originalbeitrag "The implications of megatrends in information and communication technology and transportation for changes in global physical activity" ist am 21.7.2012 in der Zeitschrift "The Lancet" erschienen. Er ist Teil einer fünfteiligen Lancet-Serie zum Thema "Körperliche Aktivität". Wir stellen Ihnen drei Beiträge daraus vor.
Den ersten Beitrag finden Sie hier.




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Seite zuletzt geändert am: 27.09.2012 08:08:00, ursprünglich angelegt am: 24.09.2012 09:08:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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