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zukünftige Herausforderungen

"Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen für Prävention und Gesundheitsförderung"

von Helga Kühn-Mengel auf der Jubiläumsveranstaltung der BfGe am 03. Mai 2004


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Beiträge auf unserer heutigen Jubiläumsveranstaltung haben aufgezeigt, dass "Prävention und Gesundheitsförderung" in den letzten Jahren zunehmend politisch wahrgenommen und - fraktionsübergreifend - auch zunehmend positiv bewertet werden.

Wir haben auf unterhaltsame Weise ebenfalls einen Einblick erhalten (oder sind, als Ältere, noch einmal daran erinnert worden...), welch' langen, und manchmal durchaus beschwerlichen Weg die Entwicklung einer "Kultur der Prävention und Gesundheitsförderung" bei uns in Deutschland zurückgelegt hat - und wie das heutige Leistungsspektrum auf den unterschiedlichen Ebenen unseres föderalen und auf Subsidiarität aufbauenden Systems sich darbietet.

Lassen Sie mich die zukünftigen Herausforderungen in diesem Arbeitsfeld mit sieben Stichworten kurz skizzieren:

1. Prioritäten

In der Rede des Herrn Staatssekretärs ist hierzu im Grunde alles bereits schon gesagt worden: erfolgreiche und finanzierbare Präventions- und Gesundheitsförderungspolitik muss zukünftig an wenigen zentralen Schwerpunkten ansetzen bzw. muss sich auf sie konzentrieren. Wenige fundierte Präventionsziele im Konsens aller verantwortlich Beteiligten zu beschließen, konzentriert die anstehende Arbeit vieler auf das Wesentliche und lässt sich den Bürgern auch besser vermitteln.

2. Transparenz

Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention müssen die Bürger in ihrer tatsächlichen Lebensumwelt erreichen und ansprechen - einen Teil dieses sog. "Zugangsproblems" löst man sicherlich durch zielgruppenadäquate Ansprache - vor allem aber auch durch einfache, verständliche und zugleich motivierende Angebotsinformation.

Die Einbeziehung qualitätsgesicherter (afgis!) digitaler Gesundheitsinformationen sind ein immer wichtiger werdender Teil dieser Arbeit - reichen aber alleine nicht aus.

Insbesondere als Patientenbeauftragte der Bundesregierung habe ich erfahren können - und dies auch bereits öffentlich gemacht -, wie viele "Barrieren" hier noch wegzuräumen sind!

3. Koordination

Koordination ist nicht identisch mit "Steuerung", die bekanntlich nicht von allen Partnern geschätzt wird...

Sie ist aber eine unverzichtbare Aufgabe hinsichtlich der Umsetzung der oben geforderten Prioritäten und hilft, Ungleichzeitigkeit, Beliebigkeit oder gar Parallel-Entwicklungen (oder -Fehlentwicklungen) zu vermeiden.

Viel Kreativität werden wir in den nächsten Jahren allerdings noch brauchen, um angemessene Strukturen der Koordination und Kooperation in diesem Mehr-Ebenen-Feld zu verankern - und wir werden diese Strukturen nicht kostenlos erhalten.

4. Qualität

Die Forderung nach verstärkter Qualitätssicherung bzw. -verbesserung gesundheitlicher Leistungen ist inzwischen Standard - ihre Einlösung in der Praxis will jedoch erst noch Standard werden.

Bezogen auf den Bereich der "Prävention und Gesundheitsförderung" muss allerdings zugleich bedacht werden, dass in der Vergangenheit hier eine "Kultur der Evaluation und des Qualitätsmanagements" noch nicht hinreichend entstehen konnte - das also in der nahen Zukunft unterstützende Maßnahmen zur Ermöglichung entsprechender Routinen vonnöten sind.

Auch sollte im übrigen bedacht werden, dass zahlreiche Maßnahmen der Prävention anderen Gesetzmäßigkeiten folgen und andere Auswirkungen haben als eine z.B. nicht sachgerechte Operation am offenen Herzen!

5. Effizienz

Das Wirtschaftlichkeitsgebot bei Leistungen nach dem SGB gilt selbstverständlich auch bzgl. der dort entsprechend verankerten Leistungen der Prävention und Gesundheitsförderung.

Es wird zukünftig jedoch intensiver als bisher öffentlich zu diskutieren sein, dass Prävention als "Investititon in den Erhalt der Gesundheit" weniger ökonomisch als vielmehr unter ethischen Aspekten betrachtet werden muss.

Dies umso mehr, als "Effizienz" (auch in Zeiten der Verwaltung des Mangels) kein Ziel für sich, sondern vielmehr eine Hilfsfunktion zur Erreichung eines anderen Ziels, eben der möglichst langen Bewahrung der Gesundheit unserer Bürger, ist.

6. Partizipation

Der Sachverständigenrat hat in seinem Gutachten 2000/2001 eindringlich auf die Bedeutung des Aspekts der Partizipation im Gesundheitswesen aufmerksam gemacht.

Die vielfältigen Ansätze der letzten Jahre (etwa über gesundheitsziele.de, über die noch laufenden Modelle zur Umsetzung des § 65b oder über den Settings-Ansatz) sind ermutigend, müssen aber sorgfältig evaluiert, z.T. erst noch getestet, weiterentwickelt und langfristig dann auch verfestigt werden.

Auch hier zeigt sich bereits, dass weder vollmundige Ankündigungen noch vollmundige Forderungen das Problem lösen - sondern nur geduldige, da langfristig zu konzipierende, und differenzierte Arbeit an und mit konkreten Umsetzungskonzepten einen Erfolg zu gewährleisten in der Lage sind.

7. Innovation

Das letzte Stichwort wird bisher noch ein wenig stiefmütterlich behandelt - und gewinnt für die Zukunft insofern bereits an Bedeutung.

Der Ort für Innovation ist weniger das SGB - sieht man einmal von auch hier sicherlich verbesserungsbedürftigen Teilen ab... -, sondern vielmehr eine praxisbezogene Forschung und Entwicklung sowie eine reflektierte "gute Praxis".

Eine wichtige Aufgabe wird es sein, auch hierfür angemessene Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Pioniergeist, Querdenkertum, Experimentelles und Ungewöhnliches sich mit dem bereits Bewährten zu einer neuen Dimension von Problembewältigung entwickeln können.

Vorausschauende Unternehmen leisten sich "Think Tanks" im großen Stil - warum kann nicht die Prävention sich wenigstens ein paar kleine "Routinen der Innovation" ausdenken?

Auch hier, meine Damen und Herren, warten somit spannende Herausforderungen auf unseren Arbeitsbereich.

Lassen Sie mich unsere Jubiläumsveranstaltung nun beenden mit der Bekräftigung, aber nicht mit der Wiederholung all der Dankesworte, die im Vortrag von Frau Robertz-Grossmann und Herrn Prümel-Philippsen nicht nur ausgesprochen, sondern auch visualisiert worden sind - bei so vielen guten, kompetenten und verläßlichen Mitgliedern und Kooperationspartnern freue ich mich seitens der Bundesvereinigung auf weitere 50 Jahre Herausforderung im Arbeitsbereich "Prävention und Gesundheitsförderung"!

Denen unter Ihnen, die jetzt nach Hause fahren, wünsche ich, dass Sie gesund und entspannt dort ankommen - denen, die zu unserer Mitgliederversammlung bleiben werden, wünsche ich eine wohltuende Kaffeepause mit etwas Bewegung und natürlich ohne Qualm!

Herzlichen Dank und Auf Wiedersehen!



Seite erstellt am: 23.01.2008 16:19:00
Autor/-in der Seite: Bettina Berg






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