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Startseite : Gesunde Kinder und Jugendliche : Beiträge - 2012 : Bedeutung der Schulernährung


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Bedeutung der Schulernährung auf die Gewichtsentwicklung überschätzt?


Dienstag, 31. Januar 2012

Bedeutung der Schulernährung auf die Gewichtsentwicklung überschätzt?


In Schulen – und zum Teil auch außerhalb – werden zusätzlich zur regulären Schulverpflegung häufig noch Fastfood-Nahrungsmittel und -Getränke angeboten. Die Annahme liegt nahe, dass das zu Übergewicht bei Schülerinnen und Schülern führen kann. Doch möglicherweise wird der Einfluss der Schule und des dort vorhandenen Ernährungsangebotes auf die Entstehung von Übergewicht überschätzt. Eine jetzt veröffentlichte Längsschnittuntersuchung an einer repräsentativen Gruppe von 21.410 US-amerikanischen Grund- und MittelschülerInnen zeigt, dass sich die in den Schulen angebotenen Nahrungsmittel nicht signifikant auf die Entwicklung des Gewichts der Mittelschulkinder in der achten Klasse auswirkten.

TeilnehmerInnen dieser Teilstudie der "Early Childhood Longitudinal Study" waren Angehörige der Kindergartenklasse 1998/99, deren persönliche und soziale Lebensumstände oder Merkmale bis zum Erreichen der achten Schulklasse im Jahr 2006/2007 untersucht wurden. Die Kinder besuchten 1.000 zufällig ausgewählte öffentliche oder private Schulen in 100 Bezirken oder Gruppen von Bezirken quer durch die USA. Die Mindestanzahl der StudienteilnehmerInnen pro Schule betrug zu Beginn 23.

Erhobene Daten für alle 19.450 SchülerInnen, die in der fünften und achten Klasse noch dieselbe Schule besuchten, waren die Entwicklung ihres Body Mass Index (BMI), die technischen und sozialen Charakteristika ihrer Schule, die lokalen Einkommensverhältnisse, die sozialen Merkmale ihrer Familien und vor allem die Art oder Qualität der in der Schule angebotenen Nahrungsmittel und Getränke unter besonderer Berücksichtigung des Angebots von fett- und kalorienreichen festen oder flüssigen Nahrungsmitteln.

Die Analyse förderte einige Ergebnisse zu Tage, die auch von den beiden Autorinnen der Studie nicht erwartet worden waren:

  • Eine Querschnittsanalyse der Daten zu Beginn der Verlaufsstudie zeigte zunächst die erwartbaren kräftigen Assoziationen des Gewichts der teilnehmenden Kinder mit der sozialen Situation der Familie (z.B. Beschäftigung der Eltern) oder ihren ethnischen Charakteristika.
  • Eine Längsschnittanalyse zum Gewicht der Kinder zwischen dem 5. und 8. Schuljahr zeigte dann aber, dass sich in diesen drei Beobachtungsjahren weder diese sozialen Charakteristika noch vor allem die Art der in den Schulen angebotenen Nahrungsmittel signifikant auf die Entwicklung des Gewichts auswirkten. Auch Subgruppenanalysen nach dem sozioökonomischen Status, dem Geschlecht oder der Ethnie der Kinder oder ihrer Eltern identifizierten nur mehr oder weniger schwache Zusammenhänge, die sämtlich zufälliger Art waren.
  • Im Kern bestätigt diese Untersuchung auf der qualitativ hochwertigen Basis einer Längsschnittanalyse mit langer Laufzeit die Ergebnisse einer Reihe von Querschnitts- oder Längsschnittuntersuchungen mit kürzerer Laufzeit. In diesen hatten sich Interventionen, die sich ausschließlich auf die Ernährung oder auch Bewegung in der Schule konzentrierten, oft als nicht erfolgreich bei der Reduktion des Übergewichts der Kinder und Jugendlichen erwiesen.

Zur Erklärung und richtigen Einordnung ihrer Funde nennen die Autorinnen mehrere Faktoren: Erstens geben sie zu bedenken, dass der Schulalltag so durchstrukturiert ist, dass er nur wenig Zeitfenster für ausgiebiges oder gar übermäßiges Essen bietet. Zweitens könnte das häusliche und sonstige außerschulische Umfeld der Schüler eine viel größere Bedeutung für die Entwicklung des Gewichts haben als in dieser Studie zunächst angenommen wurde.

Die WissenschaftlerInnen mögen aber auch nicht ausschließen, dass sich anhaltender Fast-Food-Konsum nicht doch noch auf das Gewicht der älteren SchülerInnen auswirkt. Auch wenn sich Bedingungen und Interventionen in der Schule als nicht so gravierend auf das Gewicht der hier untersuchten SchülerInnen auswirkten, halten die AutorInnen daran fest, dass in Schulen durchaus das Wissen und das Verhalten erworben werden kann, um das Gewicht und andere gesundheitlich relevante Faktoren positiv zu beeinflussen.


Den 17-seitigen Aufsatz "Competitive Food Sales in Schools and Childhood Obesity: A Longitudinal Study" von Jennifer Van Hook und Claire E. Altman, erschienen in der Fachzeitschrift "Sociology of Education" (2012; 85(1): 23-39), erhalten Sie hier.




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Seite erstellt am: 31.01.2012 08:49:00
Autor/-in der Seite: Dr. Bernard Braun






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