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Welchen Einfluss hat die Gesundheit auf die Bildung?


Dienstag, 14. August 2012

Gesunde Kinder lernen besser - Über den Zusammenhang von Bildung und Gesundheit


Grundschüler beim LesenDer Bildungsstand hat einen großen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten und damit auf die Gesundheit. Zahlreiche Studien wurden hierzu bereits veröffentlicht. Doch wie sieht es umgekehrt aus? Welchen Einfluss hat die Gesundheit auf die Bildung? Dieser Frage ging Kevin Dadaczynski von der Leuphana-Universität Lüneburg in einer ausführlichen Literaturstudie nach.

Ein höherer Bildungsgrad ist oft gleichbedeutend mit mehr Einkommen, besseren Arbeitsbedingungen, mehr Gestaltungsmöglichkeiten, einem größeren Wohlbefinden und einer höheren Lebenserwartung. Die Weichen für die verschiedenen Bildungswege stellt unter anderem die Schule. Kinder, die in der Schule versagen, sind ängstlich, hoffnungslos und frustriert. Sie bleiben öfter der Schule fern, können nichts Neues mehr aufnehmen und kommen bald in einen Kreislauf, der den Bildungsweg verlangsamt oder gar stoppt. Zu den vielen Faktoren, welche die Bildung erschweren können, zählt zum Beispiel ein schwacher sozioökonomischer Status. Doch auch eine schlechte Gesundheit kann Schüler behindern. Krankheiten führen zu höheren Abwesenheitszeiten, zu Unkonzentriertheit und zu schlechten Schulnoten. Gesundheitsfördernde Projekte in der Schule wurden bisher oft nur im Sinne der puren "Gesundheitserziehung" durchgeführt. Doch der Blick muss sich weiten, denn: Gesunde Kinder lernen besser.


Studien zum Einfluss der Gesundheit auf die Bildung stammen aus dem Ausland
Kevin Dadaczynski fand 39 internationale Forschungsarbeiten zum Einfluss der Gesundheit auf die Bildung. Davon stammen 25 Studien aus Nordamerika, zehn Studien aus Europa (Großbritannien, Schweden, Finnland, Norwegen und Frankreich), drei Studien aus Neuseeland und eine Studie aus Australien. Die jeweiligen Studien schlossen zwischen 91 und 750.000 Studienteilnehmer ein; im Durchschnitt waren es jeweils 22.436 Studienteilnehmer. Die Studien zu den Themen "Übergewicht" und "Bewegung" schlossen große Studiengruppen ein, wohingegen die Studien zu den Themen "Angst" und "auffälliges Sozialverhalten" nur aus kleinen Populationen bestanden. Die Studien erstreckten sich über einen Zeitraum von einem Jahr bis zu 21 Jahren; im Durchschnitt dauerten sie sechs Jahre.

Welchen Einfluss Übergewicht auf die Bildung hat, untersuchten verschiedene Studien. Die deutsche Studie des Robert-Koch-Instituts, "KiGGS" (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey), hat gezeigt: 15% der Kinder zwischen 3 und 17 Jahren sind übergewichtig. In einer finnischen Studie wurden 9.754 Studienteilnehmer, die 1966 geboren waren, bis zum 31. Lebensjahr begleitet. Die Autoren stellten fest: Wenn Jugendliche im Alter von 14 Jahren übergewichtig waren, dann waren ihre Schulnoten im Alter von 16 Jahren schlechter als diejenigen der Normalgewichtigen. Mit 31 Jahren hatten die Übergewichtigen schließlich einen niedrigeren Bildungsgrad erreicht als die Normalgewichtigen. Allerdings fand sich kein Zusammenhang zwischen dem Gewicht im Alter von 14 Jahren und späteren längeren Phasen der Arbeitslosigkeit.

Dadaczynski fand jedoch auch Studien, die keinen Zusammenhang zwischen dem Gewichtsstatus und dem Bildungsoutcome festmachen konnten. Die Forscher gehen davon aus, dass "Übergewicht" lediglich als ein Marker im Zusammenspiel zwischen Gesundheit und Bildung anzusehen ist und nicht als Ursache gewertet werden kann. Einige Studien zeigen, dass Übergewicht erst im späteren Jugendalter negative Auswirkungen auf die Bildung hat.

Die Stigmatisierung der übergewichtigen Kinder spielt dabei eine wesentliche Rolle. Stigmatisierte Kinder leiden unter ihren Mitschülern und lernen dadurch schlechter. Mädchen werden leichter als Jungen stigmatisiert, wenn sie der Gewichtsnorm nicht entsprechen. Auch die Stigmatisierung stellte sich als bedeutsame Drittvariable im Zusammenhang von Gesundheit und Bildung heraus.


Die meisten Kinder bewegen sich zu wenig
Um Übergewicht zu vermeiden, ist unter anderem Bewegung notwendig. Kinderärzte empfehlen 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Tag. Die KiGGS-Studie hat jedoch herausgefunden, dass sich nur 15% der Kinder und Jugendlichen im Alter von vier bis 17 Jahren entsprechend viel bewegen. Das ist umso dramatischer, da anscheinend auch die körperliche Fitness die Schulleistung beeinflusst: Eine Studie aus Kalifornien untersuchte 1.325 Kinder der 4. bis 6. Klassen und 1.410 Kinder der 5. bis 7. Klassen auf ihre körperliche Fitness und ihre Leistungsfähigkeit in Englisch- und Mathematiktests. Das Ergebnis zeigt: Diejenigen, die zwei Jahre lang hintereinander den Fitnesstest bestanden, wiesen auch bessere Schultests auf als die "unsportlicheren" Kinder.


Auch die psychische Gesundheit beeinflusst den Schulerfolg
Der Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Bildung sei weniger gut erforscht, so Dadaczynski, doch auch hier finden sich interessante Forschungsergebnisse: Einer neuseeländischen Studie mit 964 Teilnehmern zufolge nehmen Jugendliche, die im Alter von 16 Jahren eine Angststörung aufweisen, seltener ein Hochschulstudium auf. Auch schneiden ängstliche Grundschulkinder einer US-amerikanischen Studie zufolge in der 8. Klasse schlechter in Tests ab als die nicht-ängstlichen Kinder (n = 149). Ebenso haben Depressionen bei Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren einer amerikanischen Studie zufolge (n = 328 Jugendliche) negative Auswirkungen auf die Schulleistungen.

Schließlich fand Dadaczynski sieben Studien und zwei Übersichtsarbeiten, die sich dem Thema "Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)" in Bezug auf die Schulleistung widmeten. Eine dieser Studien, die französische GAZEL-Studie 2009, zeigte, dass Kinder mit ADHS (n = 1.264) acht Jahre nach Erst-Erfassung schlechtere Schulleistungen aufwiesen als Kinder ohne ADHS. Außerdem mussten die Kinder mit ADHS häufiger die Klasse wiederholen.

Gesundheitsfördernde Projekte und eine "gesunde Schule" erfüllen also nicht nur einen Selbstzweck. Solche Projekte fördern auch die Bildung. Mit diesen Studienergebnissen lägen "gewichtige Argumente für eine erweiterte Legitimationsbasis vor", so Dadaczynski.


Quelle:

Dadaczynski, Kevin (2012): Stand der Forschung zum Zusammenhang von Gesundheit und Bildung.Überblick und Implikationen für die schulische Gesundheitsförderung. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie 20 (3): 141-153.
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.




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Seite zuletzt geändert am: 14.08.2012 08:06:00, ursprünglich angelegt am: 10.08.2012 09:06:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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