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Wie und warum Armut die Lebenserwartung beeinflusst


Dienstag, 30. Oktober 2012

Altersarmut belastet auch die Gesundheit - Rentner mit niedrigerem Einkommen haben geringere Lebenserwartung


Dass Altersarmut sich künftig auch in Deutschland ausbreiten wird, ist in Medien und Politik längst zum Dauerthema geworden. Ein niedriges Einkommen aber bedeutet für die Betroffenen nicht nur Einschränkungen bei der Lebensqualität, der Selbstbestimmung und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auch der Zugang zu Gesundheitsleistungen wird erschwert – sodass Armut künftig häufiger zumindest eine (Mit-)Ursache von Krankheiten und geringerer Lebenserwartung sein wird.

So kommt der Wochenbericht 38/2012 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu dem Ergebnis: "Personen aus wohlhabenden Haushalten haben in Deutschland im Alter von 65 Jahren eine höhere Lebenserwartung als Personen mit niedrigen Einkommen. Bei Männern macht diese Differenz fünf Jahre, bei Frauen dreieinhalb Jahre aus." Gestützt wird diese Aussage auf Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP), das seit 1984 Wiederholungsbefragungen von Haushalten in West- und seit 1990 auch in Ostdeutschland durchführt. Zwar kann der statistische Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung nicht zwingend als kausal interpretiert werden, zumal Einkommensunterschiede wiederum mit weiteren Faktoren verbunden sind, doch wird klar, dass die Politik handeln muss, so die Autoren der Studie.


Wie und warum Armut die Lebenserwartung beeinflusst
Ausgewertet wurden Angaben zum verfügbaren Einkommen in dem Jahr, in dem die befragte Person 65 Jahre alt wurde. Außerdem wurden Informationen über die Berufsbiografie vor dem Renteneintritt berücksichtigt. Lediglich eingeschränkt wurde die Berufsbiografie bei Frauen einbezogen, weil diese in den für die Untersuchung relevanten Altersjahrgängen mit ihrer Rente öfter einen geringen Teil des Haushaltseinkommens beisteuern und damit stärker auf das Einkommen ihres Ehemannes angewiesen sind.

Als allgemeinen Belastungsfaktor für beide Geschlechter diskutieren die Autoren die wirtschaftliche Unsicherheit der Betroffenen, die häufig Stress auslöst und so die Gesundheit direkt verschlechtert. Denkbar wäre auch ein indirekter Belastungseffekt über stressinduziertes gesundheitsschädliches Verhalten (Rauchen, Trinken, Übergewicht, Bewegungsmangel).

Bei Männern mit niedrigen Einkommen schränken vor allem ein niedriger Bildungsstand und schwere körperliche Arbeit während des Berufslebens die Lebenserwartung ein. So zeigte sich, dass insbesondere Rentner mit keinem oder einem Haupt- oder Realschulabschluss unabhängig von ihrem Einkommen ein deutlich höheres Mortalitätsrisiko aufweisen als Männer mit Abitur oder Hochschulbildung. Keinen zusätzlichen Einfluss hat dagegen die Bildung der Eltern. Allerdings wurde bei Männern beobachtet, dass Personen, deren Eltern Angestellte waren, eine niedrigere Sterblichkeitsrate hatten als Arbeiterkinder. Hatten Männer im Alter von 65 Jahren eine Paarbeziehung, wirkte sich das positiv auf ihre Lebenserwartung aus.

 

Bei Frauen in Haushalten mit niedrigen Einkommen scheint die geringere Lebenserwartung stark auf die psychische Belastung durch finanzielle Knappheit zurückzuführen sein. Ein eigener niedriger formaler Bildungsstand oder die berufliche Stellung der Eltern dagegen wirken sich bei Frauen nicht auf die Lebenserwartung aus. Bedeutsam scheint dagegen, dass die Betroffenen meist schwächer sozial vernetzt sind; ein regelmäßiger Kontakt zu Freunden und Nachbarn sowie der Besuch kultureller Veranstaltungen im Alter von 65 Jahren wirken sich nämlich gerade bei Frauen positiv auf die Lebenserwartung aus.

Keinen Einfluss auf die Lebenserwartung hat die Größe des Wohnorts oder der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Personen mit Migrationshintergrund haben eine stark reduzierte Sterblichkeitsrate (hazard ratio von 0,6 bei Männern und 0,5 bei Frauen), die vermutlich auf den sogenannten healthy-migrant effect zurückzuführen ist. Dieser besagt, dass Personen, die sich zur Auswanderung entschließen, meist überdurchschnittlich gesund sind und deshalb länger leben als Personen aus dem Ziel- wie aus dem Ursprungsland der Migration.


Was kann und soll die Politik tun?
Ausführlich diskutieren die Autoren der DIW-Studie auch, welche Forderungen an die Politik aus ihren brisanten Ergebnissen abzuleiten wären. Geht man etwa davon aus, dass die Unterschiede in der Lebenserwartung maßgeblich auf berufliche Belastungen und auf gesundheitlich riskantes Verhalten zurückzuführen sind - die wiederum möglicherweise bei Personen mit geringem Einkommen häufiger anzutreffen sind - müssten Arbeitsschutz und betriebliche Gesundheitsförderung ausgeweitet werden. Geeignete Maßnahmen könnten dann Präventionsansätze sein, die stärker als bislang auf Geringverdiener abgestimmt sind.



Quellen

Einkommen und Lebenserwartung. DIW Wochenbericht 38/2012.
Sie können den Artikel hier als PDF-Datei herunterladen.

Armut im Alter: Ursachenanalyse und eine Projektion für das Jahr 2023, Ingmar Kumpmann, IWH-Diskussionspapiere (Institut für Wirtschaftsforschung Halle)(08/2010).
Sie können den Artikel hier als PDF-Datei herunterladen.




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Seite zuletzt geändert am: 30.10.2012 08:00:00, ursprünglich angelegt am: 17.10.2012 11:00:00
Autor/-in der Seite: Sabine Kurz






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