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Neues Buch einer Forschergruppe um Prof. Dr. Kolip


Donnerstag, 23. Mai 2013

Gesundheitsförderung im Setting effektiv gestalten


Netzwerk mit KugelnWelche Faktoren tragen dazu bei, dass settingorientierte Interventionen gelingen und wie lässt sich ihre Qualität erfassen? Das neue Buch einer Forschergruppe um Prof. Dr. Kolip gibt Antworten.

Den Ausgangspunkt des Buches bildet das "Aktionsbündnis Gesunde Lebensstile und Lebenswelten", das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im Rahmen des nationalen Aktionsplans IN FORM initiiert wurde, um gesunde Ernährung und mehr Bewegung in der Deutschen Bevölkerung zu fördern.
Nach einer kurzen inhaltlichen Einführung in die Förderinitiative zeichnet das Buch die Vorgehensweise der wissenschaftlichen Begleitforschung nach. Im Vordergrund stehen sowohl die Entwicklung projektspezifischer Evaluationsinstrumente als auch deren praxisbezogene Anwendung.


Erfassung der Qualität

Das Evaluationskonzept berücksichtigt in besonderer Weise die für die Gesundheitsförderung relevanten Qualitätsdimensionen der Planungs-, Struktur- und Prozessqualität. Um diese abzubilden, wird von den Autoren ein multimethodales Vorgehen gewählt, das sowohl qualitative als auch quantitative Methoden miteinander verbindet. So wird zur Beurteilung der Struktur- und Planungsqualität ein Raster entwickelt, um relevante Parameter wie beispielsweise die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Zielgruppe oder die Ausgestaltung der Arbeits- und Zeitpläne zu erheben. Darüber hinaus werden zu zwei Zeitpunkten Leitfaden-Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Aktionsbündnisse durchgeführt, um Aussagen zur Struktur, Zusammensetzung und Arbeitsweise der Aktionsbündnisse treffen zu können. Die Prozessqualität wird ebenfalls durch ein eigens entwickeltes Raster erhoben, zusätzlich werden Dokumentationsbögen eingesetzt, um den Prozessverlauf quartalsweise zu dokumentieren. Weiterhin werden im Rahmen des Prozessverlaufs einzelne (Teil-)Ziele der Aktionsbündnisse mit Hilfe des so genannten Goal Attainment Scaling überprüft. Die vierte Qualitätsdimension - die Ergebnisqualität - wird im Rahmen des Evaluationskonzepts lediglich angerissen, deren Auswertung obliegt in erster Linie den jeweiligen Aktionsbündnissen und kann an anderer Stelle nachgelesen werden.


Faktoren gelungener Netzwerkarbeit

Im weiteren Verlauf des Buches wird die praxisbezogene Anwendung der aufgezeigten Instrumente skizziert. Die Autoren stellen differenziert nach den genannten Qualitätsdimensionen die Stärken und Schwächen der Aktionsbündnisse überblicksartig dar. Qualitative Mängel stellen die Autoren beispielsweise in Bezug auf die "Eruierung der Bedürfnisse der Zielgruppe", die "Diskussion und Formulierung gemeinsamer, konkreter, d.h. messbarer Ziele" sowie die gründliche "Planung des Qualitätsmanagements und der Ergebnisevaluation" (S. 133) fest. Aus der Gesamtheit aller gewonnenen Erkenntnisse werden in einer abschließenden Diskussion Faktoren abgeleitet, die eine gesundheitsbezogene Netzwerkarbeit begünstigen. Dazu zählen im Hinblick auf die Planungsqualität u.a. die Entwicklung von Maßnahmen entsprechend zielgruppenspezifischer Bedürfnisse, die Formulierung konkreter Ziele, die Schaffung eines Qualitätsmanagements sowie die Berücksichtigung finanzieller, personeller, materieller und zeitlicher Ressourcen. In Bezug auf die Strukturqualität hat es sich den Ergebnissen zufolge u.a. als erfolgversprechend herausgestellt, vorhandene Strukturen zu nutzen, die Zielgruppen zu beteiligen sowie Experten und Kommunen in das Vorhaben einzubeziehen. Für eine gute Prozessqualität ist die Schaffung eines Vertrauensverhältnisses unter den Beteiligten von großer Wichtigkeit. Zudem haben sich den Evaluationsergebnissen zufolge klare Aufgabenbeschreibungen und Rollenzuweisungen sowie eine transparente Kommunikation als zielführend erwiesen.


Abschließende Bewertung

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das vorgestellte Buch sowohl einen guten Einblick in die wissenschaftliche Evaluationsforschung gibt als auch Erfolgsfaktoren settingorientierter Netzwerkarbeit in nachvollziehbarer Weise eruiert. Damit leistet es einen Beitrag zur Methodenentwicklung und gibt Anregungen, wie projektspezifische Evaluationen gestaltet und umgesetzt werden können. Darüber hinaus bietet die Veröffentlichung insbesondere für Praktiker im Bereich Gesundheitsförderung eine Orientierungshilfe: Die herausgearbeiteten Erfolgsfaktoren für gelingende Netzwerkarbeit können als Grundlage für die Planung und Umsetzung weiterer settingorientierter Projekte genutzt werden. Überdies können die Ergebnisse in Form einer Checkliste genutzt werden, um eigene Projekte anhand der abgeleiteten Empfehlungen zu überprüfen.

Kritsch anzumerken sind formale Auffälligkeiten, die den aufmerksamen Leser ins Stolpern bringen könnten. So werden zahlreiche Abkürzungen verwendet, ein Abkürzungsverzeichnis existiert jedoch nicht. Auch wird im Rahmen der Beschreibung der entwickelten Instrumente auf einen Anhang verwiesen; dieser ist jedoch nicht vorhanden, wäre aber für ein konkreteres Verständnis der beschriebenen Instrumente gleich zu Beginn der Ausführungen hilfreich gewesen.


Kolip, Petra et. al. (2013): Gesundheit fördern in vernetzten Strukturen. Evaluation settingorientierter Gesundheitsförderung; Weinheim und Basel, Beltz Juventa; 146 Seiten; Preis: 29,95 €.






Seite erstellt am: 23.05.2013 08:17:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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