| Direkt zum Inhalt springen |

Logo und Funktionslinks:

Slogan der BVPG: Gemeinsam Gesundheit foerdern

Volltextsuche:

 

Horizontale Navigation:


Brotkruemelnavigation:


Vertikale Navigation:


Inhalte:

Von der „Arbeitslast“ zur „Arbeitslust“


Montag, 4. Juli 2016

Faktor Freude – Wie die Wirtschaft Arbeitsgefühle erzeugt


Meditation bei der ArbeitIn ihrem Buch „Faktor Freude“ weist Sabine Donauer nach, wie sich die Haltung der Beschäftigten zur Arbeit verändert hat – von der „Arbeitslast“ zur „Arbeitslust“. Was diese Entwicklung begünstigt hat und wie sich diese auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirkt, erläutert die Autorin im Interview mit der BVPG.

BVPG: Sehr geehrte Frau Donauer, wie Ihr Buch verdeutlicht, ersetzt die Aussicht auf Anerkennung und Selbstverwirklichung heute zu oft gesicherte Arbeitsverhältnisse und muss Erschöpfungszustände kompensieren. Wie lange kann das gut gehen?

Dass dies für viele Beschäftigte nicht gut funktioniert, sieht man an steigenden Zahlen von ‚Hirndoping’ für die Arbeitleistung oder Burnout. Das Problem dabei ist, dass die Diskussion über arbeitsbedingte Erschöpfung und Leistungsgrenzen ‚individualisiert’ ist, d.h.: Der Einzelne wird aufgefordert, gesund zu leben, sich fit zu halten - kurz seine ‚Resilienz’, also die persönliche Widerstandskraft, zu erhöhen. Dadurch werden übergreifende wichtige Fragen nicht gestellt, z.B.: Welchen persönlichen Preis hat es für die Menschen, wenn wir jährlich immer höhere Wachstumsraten in unserem Wirtschaftssystem erwarten? Wer profitiert davon? Sicherlich kaum die Beschäftigten, denn sie erhöhen ihre Produktivität permanent, während die Reallöhne stagnieren oder sinken.  

 

BVPG: In Ihrem Buch beschreiben Sie, dass sich die Haltung von Beschäftigten durch geschickte Gefühlsarbeit der Unternehmen verändert hat. Wie konnte es den Unternehmen gelingen, Beschäftigte emotional an ihre Arbeit zu binden? Und was bedeutet dies für die Beschäftigten selbst?

Unternehmen haben vor über 100 Jahren die Gefühle ihrer Mitarbeiter als ‚Ressource’ entdeckt. Seither ‚managen’ sie den Gefühlshaushalt ihrer Mitarbeiter anhand vieler Methoden: Darunter fällt zum Beispiel die Büroeinrichtung, die einen ‚Freizeitchrakter’ bekommt (man denke nur an Spielekonsolen oder Fitnessgeräte), aber auch psychologische Vorgesetztenschulungen, die darauf abzielen, wie man Mitarbeitende am besten motiviert durch die Vermittlung emotionaler Wärme und Wertschätzung. Früh war Unternehmen klar: Wer sich wohlfühlt, arbeitet freiwillig länger und ist produktiver. Das muss nicht zwingend schlecht sein. Aber das moderne ‚Gefühlsmanagement’ neigt dazu, den Mitarbeitenden gute Gefühle anzubieten als Ersatz für ein angemessenes Gehalt und gute Sozialleistungen.

  

BVPG: Was zeichnet Ihrer Meinung nach zukunftsfähige Unternehmen aus?

Wir verbauen die Zukunft, wenn wir auf blindes Wirtschaftswachstum setzen. Der Klimawandel wird bereits zur Jahrhundertmitte massive Probleme hervorrufen, auch für uns in Deutschland - zu trockene Sommer, Ernteeinbußen und Migrationsdruck durch Klimaflüchtlinge und Konflikte um Wasser kennen wir schon heute. Diese Faktoren werden in den kommenden Jahrzehnten unseren Wohlstand akut bedrohen, wenn wir nicht innerhalb der kommenden Jahre massiv umsteuern. Ein zukunftsfähiges Unternehmen wirtschaftet so, dass die Kinder, die heute geboren werden, als 30-jährige Erwachsene und später auch eine gute Lebensgrundlage haben. Idealerweise wirtschaftet eine Firma klimaneutral statt wachstumsorientiert und überstrapaziert weder dauerhaft die gesundheitlichen Ressourcen der Mitarbeiter noch den Planeten. Interessant ist doch, dass sowohl von den Beschäftigten als auch von der Natur ständig mehr ‚Resilienz’, also Stress-Resistenz, gefordert wird, statt die Ökonomie auf ein menschen- und umweltgerechtes Maß zu begrenzen.  

 

BVPG: Sehr geehrte Frau Donauer, vielen Dank für das Interview! 

 

Das Interview führte Ann-Cathrin Hellwig, BVPG.

 

 

Zur Publikation:

Sabina Donauer (2015). Faktor Freude - Wie die Wirtschaft Arbeitsgefühle erzeugt. edition Körber-Stiftung. 248 Seiten. Preis: 16 Euro.

 

 


Dieser Beitrag gefällt 39 Person(en)


Seite erstellt am: 04.07.2016 14:34:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






Termine und Ankuendigungen: