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Startseite : Prävention allgemein : Beiträge - 2017 : Interview Helga Kühn-Mengel


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Rahmenbedingungen für eine gelingende Verbandsarbeit


Dienstag, 28. März 2017

Interview mit der scheidenden Präsidentin der BVPG, Helga Kühn-Mengel MdB


Helga Kühn-MengelNach 18 Jahren engagiertem Einsatz scheidet BVPG-Präsidentin Helga Kühn-Mengel MdB am 6. April 2017 satzungsgemäß aus dem Vorstand aus. Im Interview mit der Geschäftsführerin der BVPG, Dr. Beate Grossmann, blickt sie vorher noch einmal auf Höhen und Tiefen ihrer Tätigkeit zurück und stellt Rahmenbedingungen für eine auch zukünftig gelingende Verbandsarbeit heraus.

Als Sie 2002, nach bereits drei Jahren Mitarbeit im Vorstand, Präsidentin der BVPG wurden, was waren damals Ihre wichtigsten Ziele für den Verband? 

Ich setze mich, wie Sie wissen, nun bereits seit fast drei Jahrzehnten dafür ein, "Gesundheitsförderung und Prävention" als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu gestalten, die Qualität der Gesundheitsförderung und Prävention zu sichern, ihre Wirksamkeit zu fördern und vor allem sichtbar zu machen.  

Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass wir den professionellen Austausch in und den Rückhalt von starken Netzwerken brauchen, um hier erfolgreich zu sein. Die BVPG war schon damals eine wichtige "Stimme" zahlreicher bedeutender Organisationen und Fachgesellschaften im Handlungsfeld Prävention und Gesundheitsförderung und bot deshalb sehr gute Voraussetzungen dafür.  

Als Präsidentin wollte ich dazu beitragen, die Bundesvereinigung in dieser Rolle zu stärken und die Gesundheitsförderung in Deutschland damit weiter voranzubringen.  

 

Wie haben Sie die "Erfolgskurve(n)" der BVPG während Ihrer Präsidentschaft erlebt? Was waren für Sie - in der Rückschau - Höhepunkte und Tiefpunkte in der Arbeit des Verbandes? 

Unser Verband - als Vertretung vor allem der zivilgesellschaftlichen Kräfte im Handlungsfeld "Gesundheitsförderung und Prävention" - blickt auf eine nunmehr 63-jährige Tradition und eine entsprechend durchaus wechselvolle Geschichte zurück.  

Das zeigte ja auch unsere Jubiläumsveranstaltung im Juni 2014 aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der Bundesvereinigung, in der im Kreise zahlreicher Mitglieder und Kooperationspartner die Meilensteine der Vergangenheit beleuchtet wurden. 

Und auch aus meiner eigenen verbandlichen Rückschau heraus kann ich bestätigen, dass die BVPG in kaum einer Phase ihrer Arbeit in ruhigem Fahrwasser unterwegs sein konnte.  

Es würde den Rahmen dieses Interviews sprengen, im Einzelnen detailliert hierauf einzugehen - exemplarisch hierfür möchte ich aber doch die drei gescheiterten Präventionsgesetzgebungsverfahren nennen.  

Davon unbeirrt haben wir uns allerdings immer wieder moderierend und fachlich beratend für eine zukunftsweisende Ausgestaltung von Prävention und Gesundheitsförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe eingesetzt - und wurden dafür im Jahr 2015 ja dann doch noch mit einem Präventionsgesetz "belohnt", das eine Reihe von weiterentwicklungsfähigen Ansätzen enthält und in dem nicht zuletzt auch uns als Bundesvereinigung eine gewisse gestalterische Rolle zugeschrieben wird.   

 

Genau dazu gibt es ja durchaus auch kritische Stimmen innerhalb und außerhalb des Verbandes, die behaupten, das Präventionsgesetz greife erheblich zu kurz und würde vor allem die zivilgesellschaftlichen Kräfte im Handlungsfeld nicht wirklich stärken - teilen Sie diese Bedenken? 

Ich kenne diese Bedenken, die ja auch so schon bei den oben erwähnten drei gescheiterten Präventionsgesetz-Entwürfen jedes Mal aufs Neue zur Sprache gekommen sind. 

Ich glaube aber, dass diese Stimmen die tatsächlichen gesetzgeberischen Möglichkeiten und Grenzen in unserem föderalen System und die tatsächlichen politischen Macht- und Einflussverhältnisse nicht realistisch einschätzen und daher nicht erkennen, dass die Bretter, die hier weiterhin zu bohren sind, weitaus härter sind als die Bohrwerkzeuge, die von diesen Kritikern hierfür angeboten werden.  

 

Seit 1954, dem Gründungsdatum unseres Verbandes, stehen stets Bundes-Politikerinnen oder -Politiker an der Spitze der Bundesvereinigung (Dr. Gerhard Schröder, Dr. Viktoria Steinbiß, Dr. Gerhard Jungmann, Dr. Hanna Neumeister, Dr. Hans Peter Voigt, Helga Kühn-Mengel) - halten Sie dies eher für ein Erfolgsmodell oder gäbe es dazu aus Ihrer Sicht bessere Alternativen? 

Ich bin der Ansicht, dass es sich in den vielen Vorstands-Amtsperioden der Bundesvereinigung immer ausgezahlt hat, wenn Persönlichkeiten des politischen Lebens - mit und ohne Regierungsverantwortung - den Vorsitz unseres Verbandes innehatten. 

Da unser Verband seit Anbeginn als "Brückeninstanz" zwischen den Bereichen "Praxis", "Wissenschaft", "Wirtschaft" und "Politik" konzipiert war, die Politik sich aber mit dem Handlungsfeld "Gesundheitsförderung und Prävention" viele Jahre, ja Jahrzehnte äußerst schwertat, war es für unsere Arbeit umso wichtiger, in jeder Legislatur eine Person an der Spitze unseres Verbandes zu haben, die selbst die jeweils notwendigen Brückenschläge zur Bundespolitik gewährleisten kann.  

 

Die Finanzierung der BVPG erfolgt seit ihrer Gründung in Form einer institutionellen Fehlbedarfsfinanzierung seitens des Bundes - stellt dies eher eine Belastung oder eher eine Entlastung für die Arbeit des Verbandes dar? Wurde die BVPG dadurch an die kurze Leine des Staates gelegt? 

Es muss, so glaube ich, nicht eigens begründet werden, dass es ohne die Förderung des Bundes die Bundesvereinigung so gar nicht geben würde. Soweit ich das für die Zeit vor meinen eigenen Amtsperioden, aber natürlich dann vor allem seit 2002 beurteilen kann, hat es nie eine fachliche oder politische Einmischung des (Haupt-)Geldgebers in die Arbeit des Verbandes gegeben, da dieser als vereinsrechtlich eigenständige Organisation alle Entscheidungen und Beschlüsse auf der Basis der jeweils geltenden Verbandssatzung und nicht der jeweils herrschenden gesundheitspolitischen Groß- oder Kleinwetterlage getroffen hat und trifft - mit der Mitgliederversammlung als dem obersten beschlussfassenden Organ des Verbandes.  

Zu verhehlen ist allerdings nicht, dass diverse Verwaltungsvorschriften des Bundes, insbesondere die Bundeshaushaltsordnung als solche, im Prinzip "oversized" für einen e.V. wie die BVPG sind, und dies dem Vorstand und der Geschäftsführung das eine ums andere Mal Kopfschmerzen bereitet oder Kopfschütteln hervorgerufen hat...  

 

Gäbe es aus Ihrer Sicht denn realistische Alternativen zur staatlichen Förderung? 

Aus derzeitiger Sicht - und übrigens auch auf die vergangenen 63 Jahre zurückbezogen betrachtet - wohl kaum. 

Eine hundertprozentige Eigenfinanzierung unseres Verbandes bedeutete z. B. im Durchschnitt gesehen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag für jedes Mitglied  von ca. 3.200,00 EURO - ich kann nicht erkennen, dass die Mehrzahl unserer Mitglieder einen solchen Betrag aufbringen könnte. 

Auch eine (privatrechtliche) Stiftungslösung für die BVPG, wie sie einmal vor vielen Jahren diskutiert worden ist, halte ich in der derzeitigen Niedrig- bzw. Null- oder Negativzinsphase für ebenso wenig realistisch. 

Allerdings könnte man - umgekehrt - fragen, warum nicht endlich einmal eine seit ebenfalls vielen Jahren geforderte Aufstockung der Bundesförderung für unseren Verband vorgenommen werden kann, damit eine den Aufgaben der BVPG wenigstens halbwegs angemessene Personal- und Sachmittelausstattung erreicht wird.   

 

Was, liebe Frau Kühn-Mengel, geben Sie der BVPG für deren zukünftige Arbeit mit auf den Weg? 

Die Bundesvereinigung hat in den vergangenen Jahren, wie ich schon hervorhob, beharrlich, trotz zahlreicher widriger politischer, organisatorischer und/oder finanzieller Rahmenbedingungen die Entwicklungsprozesse um Gesundheitsförderung und Prävention inspiriert, vorangebracht, begleitet und - wo nötig - auch korrigiert.

Es gilt nun, diesen Weg weiter zu beschreiten und dabei auf Sachargumente und wissenschaftliche Belege aufzubauen, weiterhin den Konsens zu suchen, Kooperationspartner zu vernetzen und nicht zuletzt auch dadurch Know-how zu vermitteln und den Wissens-Transfer zu fördern.

Zudem empfehle ich weiterhin, immer wieder neue Impulse im Handlungsfeld "Gesundheitsförderung und Prävention" zu setzen, um dem Missverständnis vorzubeugen, das tatkräftige Verweilen am Herkömmlichen sei bereits ein Zeichen von Nachhaltigkeit...



Das Interview können Sie auch als PDF-Datei herunterladen.




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Seite erstellt am: 28.03.2017 10:50:00
Autor/-in der Seite: Helga Kühn-Mengel MdB, Dr. Beate Grossmann, Ann-Cathrin Hellwig






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