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Fahrradfahren und Walking


Montag, 6. September 2010

Mehr Fahrradfahren und Walking: Geringere Gewichtszunahme bei Frauen


In einer Studie im Rahmen der sogenannten „Nurses' Health Study II“ wurde im Zeitablauf von 1989 bis 2005 überprüft, ob körperliche Aktivitäten (Walking, Fahrradfahren) davor schützen, dick zu werden. Zentrales Ergebnis ist: Alle Frauen nahmen im 16-Jahres-Zeitraum an Körpergewicht nicht unerheblich zu (Durchschnitt: 9,3 kg). Auch häufige Spaziergänge schützten davor nicht, wohl aber strammes Walking und auch Fahrradfahren. Bei Frauen, die diese Aktivitäten regelmäßig betrieben, fiel die Gewichtszunahme unterdurchschnittlich aus und lag etwa um 1,4 bis 1,8 kg niedriger.

Die „Nurses' Health Study II" ist eine US-amerikanische Längsschnittstudie, in der über 116.000 (weibliche) Krankenpflegerinnen im Alter von 25-42 Jahren beteiligt sind. Seit dem Jahr 1989 werden in unterschiedlichen zeitlichen Abständen schriftliche Befragungen durchgeführt, in denen Informationen erfasst werden zur Krankheitsgeschichte der Frauen und ihrem Gesundheitsverhalten. Auch Körpergewicht, Body Mass Index und das Ausmaß an Sport und Bewegung werden erfragt.

Für die jetzt in der Zeitschrift „Archives of Internal Medicine" veröffentlichte Studie wurde eine Teilstichprobe von insgesamt 18.414 Frauen ausgewählt, allesamt noch vor der Menopause. Aus der Stichprobe ausgeschlossen wurden Teilnehmerinnen mit einem extremen (hohen oder niedrigen) Körpergewicht oder BMI und auch solche, bei denen Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Krebs diagnostiziert worden waren.

Als zentrale Variablen für die Analysen wurden zunächst die 1989 und 2005 gemachten Angaben über das Ausmaß körperlicher Bewegung pro Woche berücksichtigt, wobei viele Aktivitäten explizit vorgegeben wurden: Walking, Jogging, Fahrradfahren, Laufen, Tennis, Aerobic, Schwimmen und andere mehr. Weiterhin erfragt wurde auch, ob und wie viele Treppenstufen im Alltag zu Fuß zu bewältigt wurden und der Zeitumfang, den man mit sitzenden Tätigkeiten (Fernsehen, Lesen, Mahlzeiten) verbrachte. Ferner erfasst, wurden Körpergewicht und Körpergröße zur Bestimmung des BMI.

Zentrale abhängige Variable, also jener Wert, den man als Effekt verschiedener Einflussgrößen definierte (darunter das Ausmaß an Sport und körperlicher Bewegung), war die Veränderung des Körpergewichts im Zeitraum 1989 bis 2005. Als wesentliche unabhängige Variablen, also potenzielle Einflussfaktoren für das Körpergewicht, wurden neben Sport und Bewegung auch verschiedene andere Faktoren mitberücksichtigt, so unter anderem das Ernährungsverhalten (anhand eines detaillierten Fragebogens), Alkoholkonsum, Rauchen, Einnahme von oralen Verhütungsmitteln, Schwangerschaften sowie die Einnahme von Antidepressiva.

In den statistischen Analysen wurden dann „multivariate Verfahren" eingesetzt, die es erlauben, den Effekt all dieser potenziellen Einflussfaktoren gleichzeitig zu überprüfen. Zentrale Befunde dieser über einen Zeitraum von 16 Jahren reichenden Studie waren dann folgende.

  • Alle Frauen nahmen im Zeitraum 1989 bis 2005 an Gewicht zu, und zwar im Durchschnitt um 9,3 Kilogramm.
  • Zusätzliche körperliche Aktivitäten im Vergleich zum Studienbeginn (1989) im zeitlichen Umfang von 30 Minuten bewirkten jedoch, dass diese Zunahme des Körpergewichts geringer ausfiel - dies auch unter statistischer Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren.
  • Diese Differenz zur durchschnittlichen Gewichtszunahme betrug -1,81 kg für regelmäßiges forciertes, strammes Gehen (Walking), -1,59 kg für Fahrradfahren, -1,45 kg für andere sportliche Aktivitäten wie Jogging, schnelles Laufen, Schwimmen, Aerobic, Tennis, Treppensteigen.
  • Moderates, also wenig anstrengendes Gehen war im Vergleich dazu nicht erfolgreich und keine Maßnahme, um die Gewichtszunahme in Grenzen zu halten (Durchschnittswert 1989-2005 +0,06 kg).
  • Erfolgreich war es demgegenüber wiederum, wenn Frauen, die 1989 noch überhaupt nicht Fahrrad gefahren waren, 2005 zumindest fünf Minuten am Tag radelten. Im Vergleich zu anderen Frauen, die dieses Fortbewegungsmittel weder 1989 noch später nutzen, lag ihre Gewichtszunahme um 0,74 kg niedriger.
  • Bei übergewichtigen Frauen zeigte sich eine Wirkung erst bei ca. 2-3 Stunden wöchentlicher Körperbewegung.

Die Studie dokumentiert nebenbei wohl auch die neue Bescheidenheit, die in der Forschung zur Prävention von Übergewicht, nach anfänglich extrem überzogenen Erwartungen an die Effizienz von Gesundheitsförderungsmaßnahmen, herrscht: Nicht mehr die Prävention von Übergewicht gilt jetzt als Erfolg, sondern schon die geringere Gewichtszuname der Interventionsgruppe - in der vorliegenden Studie also eine Zunahme um 7,5 Kilogramm in 16 Jahren im Vergleich zu 9,3 Kilogramm.  

Das kostenlose Abstract der Studie finden Sie hier.


Quelle: Anne C. Lusk et al: Bicycle Riding, Walking, and Weight Gain in Premenopausal Women Arch Intern Med. 2010;170(12):1050-1056.



Seite erstellt am: 06.09.2010 09:36:00
Autor/-in der Seite: Felix Lüken
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt






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