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Startseite : Gesunde Kinder und Jugendliche : Beiträge - 2011 : Vortrag Prof. Dr. Raimund Geene


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Vortrag Prof. Dr. Raimund Geene


Montag, 28. November 2011

Soziale Benachteiligung und Frühe Hilfen – Wie nutzen Mütter die Angebote für ihre Kinder?


Je schwieriger die Lebenslagen, desto größer ist der Bedarf an Prävention. Doch je höher der Bedarf an Prävention, desto niedriger ist in der Regel die Inanspruchnahme. Das ist das Dilemma der Prävention. Aber lässt sich diese Aussage für alle Bereiche aufrecht erhalten? Im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes ist Prof. Dr. Raimund Geene von der Hochschule Magdeburg-Stendal der Frage nachgegangen, welche Einstellung sozial benachteiligte Mütter zu Kinder-Vorsorge-Untersuchungen und Angeboten der Frühen Hilfe haben. Erste Erkenntnisse stellte er auf der Statuskonferenz „Frühkindliche Gesundheitsförderung“ der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) vor.

Obwohl sozial benachteiligte Mütter häufig schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem gemacht haben, seltener Tipps und Ratschläge vom Kinderarzt bzw. der Kinderärztin bekommen und meist nur geringe Unterstützung ihres sozialen Umfeldes erfahren, nehmen viele von ihnen an den Kinder-Vorsorge-Untersuchungen („U-Untersuchungen") teil und ziehen offenbar einen hohen persönlichen Nutzen aus diesen Untersuchungen.

Rund 55 Interviews konnten Studierende der Hochschule Magdeburg-Stendal im Rahmen des Lehrforschungsprojektes bisher durchführen. Um die Zielgruppe sozial benachteiligter Mütter besser erreichen zu können, wurden die Studierenden u.a. auf Spielplätze und in Einkaufszentren geschickt.

Die befragten Mütter gaben an, mit der Teilnahme an den U-Untersuchungen zeigen zu können, dass sie gute Mütter sind. Da sich die Untersuchungen auf das Kind konzentrieren, müssen die Mütter darüber hinaus keinen Einblick in ihre Privatsphäre gewähren.

Die Befürchtung, fremden Menschen Einblick in die eigene Privatsphäre geben zu müssen, scheint zentral für die Ablehnung Früher Hilfen* zu sein. So stehen die befragten Mütter insbesondere Mutter-Kind-Gruppen, Hausbesuchen und dem Jugendamt skeptisch gegenüber. Nach anfänglichem Argwohn wird hingegen die Unterstützung von Hebammen akzeptiert. Lediglich Ärzten und Ärztinnen wird ein großes Vertrauen entgegen gebracht.

Geene zieht aus den bislang gewonnenen Erkenntnissen den Schluss, dass erfolgreiche Angebote Früher Hilfen den Spagat zwischen anerkennender Unterstützung der Eltern und Kontrolle finden müssen.

Konkret könnten beispielsweise Kitas dazu beitragen, die Elternkompetenz zu stärken. Dabei sollten Unterschiede zwischen den Erziehungs- und Lebensstilen respektiert werden. So könne beispielsweise nicht in jeder Familie ein kompletter Rauchverzicht der Eltern durchgesetzt werden. Ein wertschätzender Umgang mit den Eltern könnte aber dazu führen, dass auf Rauchen in der Wohnung bzw. im Beisein der Kinder verzichtet wird.    


Weitere Einzelheiten zum Vortrag von Herrn Prof. Dr. Geene wird der BVPG-Statusbericht 6 „Frühkindliche Gesundheitsförderung" liefern. Er wird im Frühjahr 2012 erscheinen und die Inhalte der Statuskonferenz dokumentieren.


Den Nutzen, den Netzwerkarbeit für Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten spielen kann, können Interessierte derzeit auf der Homepage des Kooperationsverbundes "Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten" diskutieren.



*Der Begriff „Frühe Hilfe" bezeichnet lokale und regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Hilfsangeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren mit einem Schwerpunkt auf der Altersgruppe der 0- bis 3-Jährigen. Im Vordergrund steht dabei die Stärkung der Beziehungs- und Erziehungskompetenzen der Eltern.    


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Seite erstellt am: 28.11.2011 11:26:00
Autor/-in der Seite: Felix Lüken
Quelle: eigene Darstellung






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