| Direkt zum Inhalt springen |

Logo und Funktionslinks:

Slogan der BVPG: Gemeinsam Gesundheit foerdern

Volltextsuche:

 

Horizontale Navigation:


Brotkruemelnavigation:


Vertikale Navigation:


Inhalte:

Worauf kommt es bei der Prävention und Therapie von Adipositas an?


Donnerstag, 4. April 2013

Adipositas multimodal behandeln


Currywurst und FrittenAdipositas zu behandeln heißt auch, den Lebensstil mit in den Blick zu nehmen. Die Psychologie-Professorin Petra Warschburger, Universität Potsdam, beschreibt in der März-Ausgabe von „Report Psychologie“, worauf es bei der Prävention und Therapie von Adipositas ankommt.

In Deutschland sind etwa 23% der Männer und knapp 24 % der Frauen stark übergewichtig (adipös). Damit liegt Deutschland an der Spitze der europäischen Länder. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Anteil der Adipösen bis zum Jahr 2015 noch auf über 30% steigt. Bereits 6% der Kinder und Jugendlichen sind von Adipositas betroffen.

Die Ursachen sind vielfältig: eine genetische Veranlagung, ein Überangebot an hochkalorischer Nahrung, eine bewegungsfeindliche Umwelt sowie psychosoziale Stressfaktoren sind die Bausteine, die schließlich zum Übergewicht führen. In der Literatur stünden bis heute die medizinischen Aspekte der Adipositas im Vordergrund, so die Psychologin Petra Warschburger. Doch auch die psychischen Prozesse müssten berücksichtigt werden, damit die Therapie langfristig greifen kann.


"Willensschwach und faul"

Nicht nur in der Bevölkerung gelten stark Übergewichtige als willensschwach, faul, weniger intelligent und erfolglos - auch viele Ärzte haben dieses Bild. Schließlich nehmen die Übergewichtigen dieses negative Bild in sich auf, sodass sie selbst glauben, sie seien wertlos und unattraktiv. Der Frust über die "Willensschwachheit" und die Unförmigkeit des eigenen Körpers führt wiederum zum "Frust-Essen", also dem "Essen ohne Hunger".

Essen geschieht weitgehend automatisch. Es dient vielen nicht nur dazu, ihren Hunger zu stillen, sondern auch dazu, ihre Gefühle zu regulieren. Ist viel hochkalorisches Essen vorhanden, geschieht der Griff zu den Nahrungsmitteln allzu leicht. Ähnlich ist es mit der Bewegung: Eine Umwelt, die eher zum Sitzen als zur Bewegung einlädt, verführt dazu, einfach vor dem Fernseher sitzen zu bleiben. Eine Adipositas zu behandeln heißt daher immer auch, den Lebensstil mit in den Blick zu nehmen.


Essen wird stark als Belohnung wahrgenommen

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es Übergewichtigen im Gegensatz zu Normalgewichtigen schwerer fällt, ihr Verhalten bewusst zu steuern. Übergewichtige Kinder haben zum Beispiel eine geringe "inhibitorische Kontrolle" - das heißt, sie können geplante Handlungen schlechter stoppen als normalgewichtige Kinder. Außerdem hat das Essen eine größere "belohnende" Bedeutung für sie.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass behaviorale und kognitive Verhaltenstherapien bei Übergewicht wirksam sind. Zur psychologischen Behandlung der Adipositas zählen z.B. Psychoedukation, Verhaltensverträge, Vereinbarungen, Zielsetzungen sowie Selbstbeobachtung und Verhaltensprotokolle. Dabei soll auch die Körperwahrnehmung geschult und das Körperbild verbessert werden. Ebenso gehören Verhaltensübungen und Selbstsicherheitstrainings dazu.

Für Kinder und Jugendliche haben sich spezielle "Adipositastrainings" als wirksam erwiesen. Die Kinder und Jugendlichen erstellen dabei Gewichtskurven sowie Nahrungs- und Bewegungsprotokolle. Immer wieder vergegenwärtigen sie sich auch ihre langfristigen Ziele. Zu Hause üben die Kinder, was sie im Training gelernt haben.


Langfristige Gewichtsreduktion ist das Ziel

Hauptanliegen dieses Programms ist es, das neue Gewicht langfristig zu halten. Im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe wiesen 70-80% der Kinder, die das spezielle Adipositastraining absolviert hatten, ein niedrigeres Gewicht auf, so Petra Warschburger.

Um das neue Gewicht langfristig halten zu können, ist es wichtig, dass die Patienten ihren Lebensstil verändern, Gefühle der Selbstwirksamkeit zurückerhalten, ihr Körperbild verbessern und soziale Unterstützung finden.


Quelle

Warschburger, Petra (2013): Adipositas - Konzeptuelle Beiträge der Psychologie. Report Psychologie 3/2013, S. 105-111
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Professor Petra Warschburger, Universität Potsdam Link


Weitere Links

Lo Presti, R et al. (2010): Psychological treatments for obesity in youth and adults. Mt Sinai J Med. 2010 Sep-Oct;77(5):472-87. doi: 10.1002/msj.20205.
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Shaw, K et al. (2005): Psychological interventions for overweight or obesity. Cochrane Database Syst Rev. 2005 Apr 18;(2):CD003818.
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.




Dieser Beitrag gefällt 103 Person(en)


Seite erstellt am: 04.04.2013 11:44:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






Termine und Ankuendigungen: