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Abhängigkeiten sind bei älteren Menschen keine Seltenheit


Dienstag, 21. Mai 2013

Suchtprävention – Altenpfleger haben Schlüsselfunktion


MedikamenteAbhängigkeiten von Alkohol, Tabak und Psychopharmaka sind bei älteren Menschen keine Seltenheit. Pflegekräfte können dazu beitragen, den Substanzmissbrauch aufzudecken und ihm entgegenzuwirken. Unterstützung dabei liefert eine neue Broschüre, die von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und der Barmer GEK herausgegeben wurde.

Im Interview berichtet Gabriele Bartsch, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V., über die von der DHS herausgegebene Broschüre "Alkohol, Medikamente, Tabak: Informationen für die Altenpflege".


BVPG: Frau Bartsch, aus welchem Anlass wurde die Broschüre erstellt?

Mit der Broschüre wollen wir eine Versorgungslücke schließen, die bisher noch zu wenig Beachtung erfahren hat. Denn Suchterkrankungen sind auch unter älteren Menschen verbreitet - Forschungsarbeiten belegen einen problematischen Medikamentenkonsum bei 8 bis 13 Prozent der über 60-Jährigen, von Alkoholabhängigkeit sind in dieser Altersgruppe in Deutschland etwa 400.000 Menschen betroffen - Beobachtungen, die im Zuge des demografischen Wandels weiter an Bedeutung gewinnen. Altenhilfe und Suchthilfe sind jedoch noch nicht ausreichend auf die neue Zielgruppe eingestellt. Es fehlen Erfahrungen darüber, wie Suchtprobleme in der Pflege erkannt werden können und wie mit diesen umzugehen ist. Und genau dabei sollen die aufbereiteten Informationen Unterstützung geben.


BVPG: Aus welchen Gründen sind ältere Menschen von Abhängigkeit betroffen?

Generell ist die Entwicklung von Suchterkrankungen nicht vom Alter abhängig. Vielmehr ist sie durch ein Wechselspiel unterschiedlicher Faktoren bedingt. Neben der Droge selbst spielen auch persönliche Einflussfaktoren und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Nichtsdestotrotz existieren altersspezifische Risiken, die Abhängigkeiten begünstigen können. Hierzu zählt beispielsweise der Verlust eines Partners, die Auflösung sozialer Beziehungen oder ein Gefühl der Nutzlosigkeit nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben.
Darüber hinaus kann auch der Missbrauch von Medikamenten wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln zu Abhängigkeiten führen, da sich der Körper älterer Menschen auf eine regelmäßige Zufuhr einstellt. Da diese Medikamente häufig vom Arzt verordnet werden, bleibt das Gefühl einer Abhängigkeit zunächst aus und zeigt sich erst bei den Bemühungen um eine Abstinenz.


BVPG: Woran können Pflegekräfte Suchtprobleme ihrer Klientinnen und Klienten erkennen und was können sie tun?

Suchtprobleme von Klientinnen und Klienten zu erkennen, ist für Pflegekräfte nicht immer einfach. Häufige Stürze, ein apathisches oder unruhiges Verhalten, Aggressivität, Müdigkeit, Depressivität oder die eigene Vernachlässigung können Hinweise für Abhängigkeitserkrankungen sein. Aber ob ein älterer Mensch über den Flur schwankt, weil er schwache Muskeln hat oder ob das Schwanken auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen ist, lässt sich häufig nicht eindeutig feststellen. In solchen Fällen ist es ratsam, weitere Beobachtungen anzustellen und zu dokumentieren; allerdings sollten Pflegende sich auch nicht scheuen, Betroffene auf ihre Beobachtungen hin anzusprechen. Dabei können ggf. auch Kollegen, Angehörige oder behandelnde Ärzte hinzugezogen werden.
Grundsätzlich ist es wichtig, dass Pflegekräfte nicht wegsehen, sondern ein potenzielles Suchtproblem möglichst frühzeitig ansprechen!


BVPG: Worauf ist dabei zu achten?

Wichtig ist bei einem solchen Gespräch, dass die Pflegenden keine Vorwurfshaltung einnehmen, sondern das Bewusstsein der Betroffenen durch Informationen schärfen. Dabei sollte die Verbesserung der Lebensqualität im Fokus stehen, die durch eine Einschränkung des Konsums oder durch eine anhaltende Abstinenz erreicht werden kann. Und das in jedem Alter!


BVPG: Frau Bartsch, vielen Dank für das Interview!


Das Interview führte Ann-Cathrin Hellwig.



Die Broschüre als PDF-Dokument erhalten Sie hier.




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Seite zuletzt geändert am: 21.05.2013 14:21:00, ursprünglich angelegt am: 16.05.2013 14:21:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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