| Direkt zum Inhalt springen |

Logo und Funktionslinks:

Slogan der BVPG: Gemeinsam Gesundheit foerdern

Volltextsuche:

 

Horizontale Navigation:


Brotkruemelnavigation:


Vertikale Navigation:


Inhalte:

Es muss nicht immer gleich Hochleistungssport sein


Dienstag, 25. März 2014

Nicht „auf Teufel komm raus“ ins Fitnessstudio


Frau bei GartenarbeitBewegung ist förderlich für die Gesundheit, wie Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Abteilungsleiter des Instituts für Sportmedizin der Goethe Universität Frankfurt am Main, im Interview unterstreicht. Aber es muss nicht immer gleich Hochleistungssport sein – bereits kleine Veränderungen im Alltag können Gesundheit und Wohlbefinden verbessern.

BVPG: Bewegung ist förderlich für die Gesundheit – das ist den meisten Menschen bekannt. Doch wie viel sollte es sein?

Die aktuellen Mindestempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation lauten: Wöchentlich 150 Minuten aerobe Aktivität mit moderater Intensität sowie muskelkräftigende Aktivität zwei bis drei Mal die Woche. Wichtig ist dabei, dass man Bewegungseinheiten von mindestens zehn Minuten addieren darf. Wir gehen heute davon aus, dass für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden der Gesamtumfang und nicht einzelne andere Aspekte der Bewegung wie Dauer, Häufigkeit, Intensität oder Typ ausschlaggebend sind. Mit anderen Worten: Letztendlich „zählt" die Gesamtenergiemenge, die durch die Bewegung verbraucht wird. Die wichtige und gute Nachricht dabei ist: Wir müssen uns nicht unbedingt völlig verausgaben, um von Bewegung gesundheitlich zu „profitieren". Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Bewegung auch unterhalb der Empfehlungen gesundheitswirksam ist. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass langes, ununterbrochenes Sitzen ein Gesundheitsrisiko darstellen kann.Deswegen ist es ratsam, neben regelmäßiger körperlicher Aktivität auch lange Sitzzeiten einzuschränken.


BVPG: Viele Menschen möchten sich mehr bewegen, können ihren „inneren Schweinehund" jedoch nicht überwinden. Was können Sie diesen Menschen empfehlen?

Wenn jemand den Entschluss gefasst hat, sich mehr zu bewegen, ist das schon ein großer Schritt! Wichtig ist, dass man sich realistische – am Anfang kleine – Ziele setzt.Aus medizinischer Sicht ist es auch sinnvoll, Umfang und Intensität der Bewegung langsam zu steigern, um mögliche Verletzungen und Überlastung zu vermeiden. Soziale Unterstützung, das heißt die Unterstützung von Familie und Freunden, scheint eine wichtige Rolle für einen aktiven Lebensstil zu spielen. Ärztlicher Rat kann natürlich auch für viele eine weitere Motivation sein. Jeder muss aber letzten Endes für sich herausfinden, welche Art der Bewegung ihm Spaß macht.

Ein wichtiger Hinweis noch, der sich aus den oben genannten Bewegungsempfehlungen ableiten lässt: Auch Bewegung im Alltag – den Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen oder die Treppe statt den Aufzug zu nutzen – ist gesundheitsförderlich. Wer also kein „Athlet" bzw. keine „Athletin" ist, muss sich nicht „auf Teufel komm raus" in ein Fitnessstudio zwingen – regelmäßige Bewegung im Alltag ist ebenso empfehlenswert. Es ist also wichtig, bei den Menschen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass bereits kleine Veränderungen der Alltagsgewohnheiten die Gesundheit und das Wohlbefinden verbessern können.


BVPG: Was ist Ihrer Meinung nach notwendig, um zukünftig mehr Menschen in Bewegung zu bringen?

Wenn sich diese Frage nur so einfach beantworten ließe! Wir wissen aus repräsentativen Erhebungen, dass bestimmte Gesellschaftsgruppen weniger aktiv sind als andere. Dies hat vielerlei Gründe und der „innere Schweinehund" ist nur einer von diesen. Nicht alle Gesellschaftsgruppen haben die gleichen Voraussetzungen für einen aktiven Lebensstil. Zudem wissen wir auch, dass ein „One size fits all"-Ansatz nicht erfolgversprechend ist. Das heißt, wir müssen unterschiedliche Gruppen unterschiedlich ansprechen und denen möglichst maßgeschneiderte Angebote aufzeigen. Meiner Auffassung nach ist Bewegungsförderung, genauso wie Gesundheitsförderung im Allgemeinen, eine multisektoriale, gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Alle Ressorts, von Gesundheit, Bildung, Soziales, Umwelt bis hin zum Bau, müssen ihre Arbeit so gestalten, dass sie Bewegung ermöglichen und nicht verhindern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Zielgruppen möglichst in die Planung der Angebote eingebunden werden – ganz im Sinne der Ottawa Charta.

Ein großes Problem sehe ich aktuell darin, dass es in der bewegungsbezogenen Gesundheitsforschung kaum langfristig angelegte Studien gibt. Somit können wir nur Aussagen über kurzfristige Effekte treffen. Für die Gesundheit und das Wohlbefinden ist allerdings entscheidend, dass man sich regelmäßig – am besten ein Leben lang – bewegt. Eine weitere Herausforderung besteht in der „Übersetzung" der Ergebnisse klinischer Studien in den Alltag. Hier wäre eine deutliche Stärkung der Forschungsförderung im Bereich der transnationalen Forschung sehr wünschenswert.


BVPG: Herr Prof. Banzer, vielen Dank für das Interview!


Das Interview führte Ann-Cathrin Hellwig.




Dieser Beitrag gefällt 24 Person(en)


Seite erstellt am: 25.03.2014 13:17:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






Termine und Ankuendigungen: