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Krafttraining erhöht indirekt die Lebenszufriedenheit


Freitag, 22. Juni 2012

Krafttraining erhöht indirekt die Lebenszufriedenheit


Sportliche Aktivitäten helfen bei Depressionen und steigern die Lebenszufriedenheit. Doch wie sieht es speziell mit Krafttraining aus? Dieser Frage ging eine jetzt in der Zeitschrift für Gesundheitspsychologie veröffentlichte Studie der Technischen Universität Chemnitz nach. Es zeigte sich: Hier gibt es einen indirekten Zusammenhang. Durch die Teilnahme am Training verbesserte sich das Körperbild der Probanden. Ein verbessertes Körperbild führte wiederum zu verbesserten Selbstwirksamkeitserwartungen, was letzten Endes die Lebenszufriedenheit steigerte.

Nadine Tscharaktschiew und Udo Rudolph von der Technischen Universität Chemnitz untersuchten an 531 Studienteilnehmern (280 Frauen und 251 Männern), wie sich Krafttraining auf das Körperbild, die Selbstwirksamkeitserwartung und die allgemeine Lebenszufriedenheit auswirken. Im Rahmen der Studie wurde ein "präventives Krafttraining" (PKT) und ein "medizinisches Krafttraining" (MKT) angeboten. Am präventiven Krafttraining beteiligten sich 317 Studienteilnehmer (157 Frauen, 160 Männer), die weitgehend gesund waren oder höchstens unter leichten Rückenschmerzen litten. Ein medizinisches Krafttraining erhielten 109 Teilnehmer (56 Frauen und 53 Männer), die unter chronischen Rückenschmerzen litten oder bei denen eine andere medizinische Indikation, zum Beispiel ein "Zustand nach Operation", vorlag.

Beide Trainings wurden über 6 Monate ein- bis zweimal wöchentlich durchgeführt, wobei die Teilnehmer des präventiven Krafttrainings nach einer kurzen Einführungsphase ihr Training selbstständig durchführten. Teilnehmer, die ein medizinisches Krafttraining erhielten, wurden 3 Monate lang von qualifizierten Trainern begleitet ‑ die übrigen 3 Monate führten sie dann ihre Übungen nach einem Trainingsplan selbstständig durch. Zur Präventiv-Gruppe gab es zudem eine Kontrollgruppe, die in diesen 6 Monaten kein Krafttraining erhielt. Diese Gruppe bestand aus 105 Teilnehmern (68 Frauen und 37 Männern).

Eine Trainingseinheit dauerte 30 Minuten. Mithilfe spezieller Fixierungstechniken konnte speziell die tiefe Rückenstreckmuskulatur gestärkt werden. Außerdem sollte mit den Übungen eine Kräftigung von Schultern, Brust, Rücken, Oberschenkeln und Bauch erreicht werden.

Veränderungen des Körperbildes wurden mittels "Fragebogen zum Körperbild" (FKB-20) erfasst. Zur Messung der Selbstwirksamkeitserwartung verwendeten die Autoren die "Skala zur allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung" (SWE), während die "allgemeine Lebenszufriedenheit" mithilfe der "Satisfaction with Life Scale (SWLS) eruiert wurde. (Unter "Selbstwirksamkeitserwartung" versteht man die Erwartung eines Menschen, schwierige Situationen selbstständig meistern zu können. Der Begriff wurde von dem kanadischen Psychologen Albert Bandura (geb. 1925) geprägt.) Die Befragungen fanden vor dem Training sowie 3 und 6 Monate nach Beginn des Trainings statt.

Es zeigte sich: Das gesundheitsorientierte Krafttraining steht in keinem direkten Zusammenhang mit der Lebenszufriedenheit ‑ allerdings gibt es einen indirekten Zusammenhang. Durch die Teilnahme am Training verbesserte sich das Körperbild der Probanden. Ein verbessertes Körperbild führte wiederum zu verbesserten Selbstwirksamkeitserwartungen, was letzten Endes die Lebenszufriedenheit steigerte.

Das "Körperbild" unterteilten die Autoren in die Faktoren "vitale Körperdynamik" und "ablehnende Körperbewertung". Unter "vitaler Körperdynamik" ist das Gefühl zu verstehen, kraftvoll und gesund zu sein. Im Durchschnitt verbesserte sich bei den Teilnehmern des präventiven Krafttrainings die vitale Körperdynamik von 34,17 Punkten vor der Intervention auf 36,53 Punkte 6 Monate nach Trainingsbeginn. Bei den Teilnehmern des medizinischen Krafttrainings stieg der Wert von 32,59 auf 33,99 Punkte, wohingegen in der Kontrollgruppe eine Abnahme der Werte zu verzeichnen war (von 35,34 auf 34,97 Punkte). Ähnliche Verbesserungen fanden sich in Bezug auf die "ablehnende Körperbewertung", "Selbstwirksamkeitserwartung" und "Lebenszufriedenheit". Insgesamt fühlten sich die Teilnehmer schon nach 3 Monaten fitter und kräftiger, doch es dauerte länger, bis sie ihren Körper besser annehmen konnten (Abnahme der ablehnenden Körperbewertung).

Die Autoren konnten mit dieser Studie also zeigen, dass gesundheitsorientiertes Krafttraining dazu führt, sich gesünder zu fühlen und den eigenen Körper besser annehmen zu können. Dadurch steigt auch die Lebenszufriedenheit. Diese Effekte wurden sowohl in der Gruppe des präventiven Krafttrainings als auch des medizinischen Krafttrainings deutlich. Krafttraining, das den Rücken stärkt, steigert also indirekt auch die Lebenszufriedenheit.


Tscharaktschiew, Nadine und Rudolph, Udo (2012): Zum Einfluss gesundheitsorientierten Krafttrainings auf psychisches Wohlbefinden. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie 2012, 20 (2): 55-66 Abstract

Nadine Tscharaktschiew, TU Chemnitz Link




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Seite zuletzt geändert am: 22.06.2012 07:52:00, ursprünglich angelegt am: 20.06.2012 13:52:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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