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Neue kommunale Strategien für ältere Menschen


Donnerstag, 29. Dezember 2011

Neue kommunale Strategien für ältere Menschen


Der demografische Wandel findet in den Kommunen statt. Um den Anforderungen gerecht werden zu können, müssen Kommunen die Perspektive auf das Alter(n) wechseln und die Potenziale und Partizipationswünsche ihrer älteren Bürger/innen nutzen. Dabei spielen sozialräumliche, quartiersbezogene und zielgruppenspezifische Strategien eine bedeutende Rolle. Das „Handbuch innovative Kommunalpolitik“ hält dafür Orientierungshilfen und vielfältige Anregungen für alle Akteure in den Kommunen bereit.

Mit dem "Handbuch innovative Kommunalpolitik für ältere Menschen" will der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge (DV) einen Beitrag zur Gestaltung und Weiterentwicklung der Kommunalpolitik für ältere Menschen leisten. Es handelt sich bereits um das zweite Handbuch, das der Verein herausgegeben hat (das erste erschien 2002). "Neben bewährten Ansätzen der Altenpolitik bilden quartiersbezogene, sozialraum-, und netzwerkorientierte Projekte den Kern des Buches. Ziel ist es, durch eine intensive Zusammenarbeit aller Akteur/innen vor Ort eine Unterstützung Hilfsbedürftiger sowie eine aktive soziale, kulturelle und politische Teilhabe älterer Menschen zu ermöglichen" (S. 7). Das Handbuch bearbeitet folgende sechs Handlungsfelder kommunaler Praxis für ältere Menschen:

  1. Kommunale Alten- und Sozialplanung,
  2. Zivilgesellschaft, Bürgerbeteiligung, Engagementförderung,
  3. Wohnen, Wohnumfeld, Mobilität,
  4. Pflege und Beratung,
  5. Kommunale Gesundheitsförderung, Sport, Prävention,
  6. Bildung, Kultur, Freizeit.

Die Kapitel zu den Handlungsfeldern sind jeweils eingeleitet von einem Einführungsbeitrag und geben danach eine Übersicht zu Beispielen "guter Praxis". Diese Beispiele wurden nach diesen sieben Auswahlkriterien ausgesucht: Soziodemographische Bedarfsanalyse, Partizipationsförderung, Zielgruppenspezifität, ressortübergreifender Ansatz, Projektentwicklung als "lernende Organisation", Qualitätssicherung und Evaluation und Nachhaltigkeit (S. 16).

Angestrebt war dabei eine möglichst ausgewogene regionale Verteilung der Praxisbeispiele innerhalb der Bundesrepublik. Wie die Herausgeberinnen feststellen, kommen allerdings die meisten Beispiele "guter Praxis" aus den alten Bundesländern mit Schwerpunkt NRW und Bayern, und sie stellen die kritische Frage: "Ist diese Unausgewogenheit zwischen den neuen und alten Bundesländern darauf zurückzuführen, dass in den neuen Bundesländern weiterhin entsprechende strukturelle Rahmenbedingungen für eine Politik für ältere Menschen fehlen?" (S. 16).

Eingeleitet wird das Handbuch durch einen Überblicksaufsatz von Peter Zeman. Er unterscheidet zunächst zwischen der älteren "fürsorgenden" kommunalen Altenhilfe und der modernen Altenhilfe, die in der konsequenten Umsetzung von Strategien der Sozialraumorientierung, der Partizipationsförderung und der Vernetzung unterschiedlicher Handlungsfelder unterschiedlicher Akteure besteht. Kommunale Altenhilfe wird so zu einer gesellschaftlichen Querschnittsaufgabe, die unterschiedliche Akteure zu einer ganzheitlichen Auffassung und Handlungsstrategie zusammenführt. Dabei muss allerdings ein zielgruppenspezifischer Zugang zu den Problemen der Altenhilfe gewahrt werden. Steht nach wie vor der Hilfegedanke bei den "alten Alten" mit manifesten Beeinträchtigungen im Vordergrund, so geht es bei der großen Gruppe der "jungen Alten" darum, diese zu aktivieren und die Ressourcen für ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu erhalten bzw. zu fördern. Für diese müssen auf kommunaler Basis "Ermöglichungsstrukturen" (S. 21) für bürgerschaftliches Engagement und Partizipation geschaffen werden.

Dazu ist es erforderlich, dass in weiten Bereichen ein Umdenkungsprozess zu erfolgen hat, der sich vom Defizit-Modell des Alterns verabschiedet und Barrieren ausräumt und eine spezifische "Alternskultur" herausbildet. Wichtig ist dabei, die "zunehmende Auffächerung der Lebenslagen im Alter" (S. 20) zu erkennen.

Die moderne kommunale Altenhilfe "bezieht alle ein, junge Alte, ebenso wie hochaltrige Menschen, kranke und gesunde, mobile oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen mit hohem oder niedrigerem Bildungshintergrund, einkommensstarke oder einkommensschwache Gruppen" (S. 20).

Eine "altenfreundliche" Kommune zeichnet sich dabei dadurch aus, dass sie so lange wie möglich eine selbstständige Lebensführung und Teilhabe am Sozialleben ermöglicht, eine altersgerechte Wohn- und Wohnumfeldqualität vorhält, die Zugänglichkeit von Versorgungsstrukturen sichert und Barrierefreiheit im öffentlichen Raum mit einem altersgerechten öffentlichen Nahverkehr ermöglicht. Erforderlich ist dabei die Erreichbarkeit von sozialen und kulturellen Angeboten und das Vorhandensein von öffentlichen Erholungs- und Begegnungsräumen.

Eine solche Alternskultur darf sich dabei aber nicht von der Lebenswelt der jüngeren Bürger/innen absetzen. Kommunalpolitik muss sich auf die nachhaltige Förderung einer generationenübergreifenden Solidarität ausrichten (S. 23). "Dabei verändert sich die Funktion der Kommune vom unmittelbaren Leistungserbringer zum Garanten eines Gesamtkonzepts der Sicherung von Lebensqualität vor Ort ... und zum Moderator bei dessen Entwicklung und Umsetzung"( S. 25).

Natürlich ist den AutorInnen dieses Handbuches klar, dass es angesichts der Finanznöte der Kommunen zunehmend schwieriger wird, diese hohen Standards in der kommunalen Altenhilfe umzusetzen. Aber die detailliert aufgeführten Praxisbeispiele zeigen, dass und wie unter teilweise widrigen Umständen schon einiges erreicht wurde. Gerade die aufgezeigten Beispiele der guten Praxis machen so das Handbuch zu einer unentbehrlichen Lektüre für jeden, der sich mit den Fragen der kommunalen Altenhilfe befasst.


Hier die bibliografischen Daten: Christine Bischof und Barbara Weigl (Hrsg.), Handbuch innovative Kommunalpolitik für ältere Menschen, Eigenverlag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, Berlin 2010, 393 Seiten. Das Buch kann hier bestellt werden.




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Seite zuletzt geändert am: 29.12.2011 11:04:00, ursprünglich angelegt am: 19.12.2011 11:04:00
Autor/-in der Seite: Dr. Beate Grossmann






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