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Einsamkeit ist besonders im höheren Alter ein Gesundheitsrisiko


Freitag, 3. Mai 2013

Einsamkeit – So ungesund wie Rauchen oder Übergewicht


Ältere einsame FrauIm Rahmen einer Metaanalyse kamen amerikanische Forscher zu dem Ergebnis, dass Einsamkeit genauso ungesund ist wie Rauchen oder Übergewicht. Damit stellt Einsamkeit besonders im höheren Lebensalter, welches häufig durch den Verlust von Partnern und Freunden geprägt ist, einen bedeutenden Risikofaktor für die Gesundheit dar.

Anhand einer Längsschnittuntersuchung zeigten britische Wissenschaftlerinnen, wie sich der Grad der Einsamkeit bei über 65-Jährigen über einem 10-Jahres-Zeitraum verändert. Die Basis der Studie bildet eine Untersuchung aus den Jahren 1999/2000, an der 999 Menschen im Alter von mindestens 65 Jahren teilgenommen hatten. In den Jahren 2007/2008 wurden die überlebenden 583 Teilnehmer um ihre Teilnahme an der Nacherhebung gebeten. 287 Teilnehmer nahmen schließlich an der Folgestudie teil. Zu diesem Zeitpunkt waren die Studienteilnehmer durchschnittlich 80 Jahre alt.

Es zeigte sich, dass sich der Anteil der älteren Menschen, die an Einsamkeit litten, über den Zeitraum von 10 Jahren kaum verändert hatte: 9% bezeichneten sich als sehr einsam, 30% sagten, dass sie manchmal einsam seien und 61% fühlten sich niemals einsam. Dabei waren es besonders häufig Männer, die angaben, sich "niemals einsam" zu fühlen. Ein Vergleich mit anderen Studien aus Nordamerika, Australasien und Nord-Europa ergab: Der Anteil der über 65-Jährigen, die sich einsam fühlen, liegt etwa bei 5-10%.

Die Studienergebnisse zeigten weiterhin, dass sich der Grad der Einsamkeit bei einigen Teilnehmern deutlich verändert hatte. Die Forscher ermittelten anhand eines 12-Kategorien-Fragebogens, dass sich bei etwa 25% der Studienteilnehmer die Einsamkeit im Laufe der Jahre vermindert hatte. Bei 15% hatte sich die Einsamkeit jedoch verstärkt.


Der Gesundheitszustand ist ein entscheidender Faktor

In verschiedenen Studien zeigte sich, dass Einsamkeit häufig durch eine körperliche oder psychische Erkrankung bedingt ist. Einsamkeit ist außerdem verbunden mit einer erhöhten Sterblichkeit, einem schlechten Schlaf und erhöhten Konzentrationen an Stresshormonen im Blut. Einsame Menschen nehmen darüber hinaus öfter Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch.

Hauptmerkmal der Einsamkeit ist das Fehlen vertrauensvoller Beziehungen. 3% der Studienteilnehmer berichteten, dass sie keine einzige vertrauensvolle Beziehung hatten. Drei Viertel aller Teilnehmer gaben jedoch an, dass ihnen durchschnittlich zwischen einem und sechs Menschen nahestanden. Dabei spielt auch die Wohnsituation eine Rolle: In dieser Studie wohnten 105 Studienteilnehmer, die in der ersten Befragung noch alleine lebten, zum Zeitpunkt der zweiten Befragung mit anderen zusammen. Bei 142 Studienteilnehmern war es umgekehrt: Sie lebten zur Follow-up-Untersuchung allein, nachdem sie 10 Jahre zuvor noch mit anderen Menschen zusammenlebten.


Risiko- und Schutzfaktoren der Einsamkeit

Der Verlust des Partners und der Tod von Freunden sind im Alter gewichtige Faktoren, die zur Einsamkeit führen können. Doch auch eine eingeschränkte körperliche oder psychische Gesundheit ist ein erheblicher Risikofaktor für die Einsamkeit. Bei 47% der Studienteilnehmer verschlechterte sich innerhalb von 10 Jahren die Fähigkeit, den täglichen Aktivitäten nachzugehen (reduzierter Punktwert im "Activities of Daily Life Score" [ADL]). Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes kann oft mehr bewirken als motivierende Aufforderungen, sich stärker am sozialen Leben zu beteiligen. Nicht unterschätzt werden darf dabei die seelische Gesundheit. Auch im Alter können Psychotherapien viel bewirken - insbesondere dann, wenn bei alten Menschen die Erinnerungen an Kriegstraumata wieder auftauchen.

Obwohl Einsamkeit manchmal bereits in der Kindheit aufgrund unsicherer Bindungen entsteht und sich dann ein Leben lang fortführen kann (siehe Übersichtsarbeit von Sean S. Seepersad), muss Einsamkeit kein unausweichliches Schicksal sein. Die vorliegende Studie zeigt, dass sich ältere Menschen von Einsamkeit "erholen" können. Nicht nur durch das Ausbauen von sozialen Netzwerken, sondern insbesondere durch die Verbesserung der körperlichen und seelischen Gesundheit.



Zusatzinformationen

In Großbritannien hilft die Kampagne "End Loneliness - Connections in Older Age" (Link) älteren Menschen dabei, ihre Einsamkeit zu mildern. Sie wird von der "Calouste Gulbenkian Foundation" finanziell unterstützt. Eine ähnlich große Kampagne gibt es in Deutschland bisher noch nicht. Sehr aktiv ist jedoch der Verein "Wege aus der Einsamkeit", der von Privatleuten im Dezember 2007 gegründet wurde (Link).

Christina R. Victor ist Professorin für Public Health an der Brunel-Universität in London (Link).

Ann Bowling ist Professorin für "Health Care for Older Adults" an der St. George's-Universität in London (Link).

Projekt "Mehrgenerationenhäuser":
Das Leben in größeren Haushalten wirkt protektiv gegen Einsamkeit. Da Großfamilien heute meistens fehlen, muss das Leben mehrerer Generationen unter einem Dach organisiert werden - hier ist das Projekt "Mehrgenerationenhäuser" (Link) empfehlenswert, das vom Familienministerium gefördert wird.


Quellen

Victor, Christina R.; Bowling, Ann (2012): A Longitudinal Analysis of Loneliness Among Older People in Great Britain. The Journal of Psychology: Interdisciplinary and Applied, Volume 146, Issue 3, 2012: 313-331, DOI:10.1080/00223980.2011.609572
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Holt-Lunstad, Julianne et al. (2010): Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review. PLoS Med 7(7): e1000316. doi:10.1371/journal.pmed.1000316. Published: July 27, 2010
Die vollständige Studie finden Sie hier.

Seepersad, Sean S.: Critical Analysis Paper: Understanding Loneliness Using Attachment And Systems Theories And Developing An Applied Intervention.
Den Artikel können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.
Weitere Publikationen des Projektes "Web of Loneliness" finden Sie hier.




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Seite erstellt am: 03.05.2013 08:35:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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