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Demente nicht nur auf ihr nachlassendes Gehirn reduzieren


Donnerstag, 13. Juni 2013

Demenz: Der Körper (er)zählt


Ältere gutgelaunte FrauWarum es wichtig ist, Demente nicht nur auf ihr nachlassendes Gehirn zu reduzieren, zeigen die kanadische Wissenschaftlerin Pia Kontos (University of Toronto) und die britische Soziologin Wendy Martin (Brunel University, UK) im Rahmen einer aktuellen Ausarbeitung auf.

Der Mensch hat einen Körper, aber er ist auch ein Körper. Mit dem Begriff "Persönlichkeit" verbinden viele zunächst die geistigen Fähigkeiten und die psychischen Eigenschaften. Doch auch der Körper trägt zur Persönlichkeit in entscheidendem Maße bei. Während die geistigen Fähigkeiten bei demenzkranken Menschen nachlassen, ist immer noch der Körper da, über den die Betroffenen Umweltreize aufnehmen und kommunizieren. Dies wieder stärker zu berücksichtigen, halten die Wissenschaftlerinnen Pia Kontos und Wendy Marin für unerlässlich. Im letzten Jahrzehnt sei das Verständnis für die Demenz stark gewachsen, weil der Körper wieder stärker in die Überlegungen mit einbezogen werde, so die Autorinnen. Bereits der Philosoph Maurice Merleau-Ponty (1908-1961) habe betont, dass die Welt als Erstes über den Körper erfasst werde.


Der Körper bietet Kontinuität

Auch, wenn Sprache und Gedächtnis nachlassen, so steht der Körper zur Kommunikation weiterhin zur Verfügung. Der Körper erzählt seine Geschichte - die Haltung des Betroffenen, seine Kleidung und seine Bewegung drücken viel aus. In der Hektik des Alltags haben Pflegende kaum Zeit, dies zu berücksichtigen. Doch das Körper-Selbst bietet auch viele Chancen für nonverbale Therapieansätze wie z.B. die Musik-, Tanz- oder Clowntherapie.


Auch den Rhythmus des Körpers zu beachten, trägt zum Wohlbefinden der Demenzkranken bei. In Pflegeeinrichtungen gibt es starre Essenszeiten und enge Zeitfenster für die Verabreichung der Mahlzeiten. Der Betroffene hat nicht die Chance, seine eigenen Essensgewohnheiten und Rituale fortzuführen, obwohl diese ja auch ein Teil seiner Persönlichkeit sind. Stattdessen versucht man in der Pflege, die "chaotischen Körper zu managen". Das ist unbefriedigend und erschöpfend für beide Seiten.


Der Patient im Mittelpunkt

Trotz aller Bemühungen seien Pflegeeinrichtungen auch heute noch eher ein effektiver Arbeitsplatz als ein identitätsstiftendes Zuhause, so Pia Kontos und Wendy Martin. Viele moderne Pflegeeinrichtungen stellen sich jedoch zunehmend auf die körperlichen Bedürfnisse und Eigenheiten der Patienten ein. In weniger strengen Pflegeregimes können demente Patienten Teile ihrer Identität erhalten, indem sie z.B. gewohnte Rituale fortführen können. Das, was die Dementen tun, hat eine Bedeutung. Diese Bedeutung zu erfassen, kann den Pflegenden neue Horizonte eröffnen, neues Interesse und auch wieder mehr Freude an der Pflege wecken.


Den Bedarf nach einer neuen Perspektive auf die Erkrankung Demenz stellt auch Reimer Gronemeyer im Rahmen eines Essays heraus. Der Autor fordert eine gesellschaftliche Bereitschaft, Demenz als eine Erkrankung wahrzunehmen, die zum Älterwerden dazugehören kann.


Quellen:

Pia Kontos und Wendy Martin: Embodiment: The implications for living well with dementia. Dementia May 1, 2013 12: 368-374, DOI: 10.1177/1471301213479787
Zum Abstract gelangen Sie hier.

Deborah Reed-Danahay: ‘This is your home now!’: conceptualizing location and dislocation in a dementia unit. Qualitative Research, April 2001 vol. 1 no. 1 47-63, doi: 10.1177/146879410100100103
Zum Abstract gelangen Sie hier.

Zum Essay von Reimer Gronemeyer "Demenz: Wir brauchen eine andere Perspektive!"
Zum Abstract gelangen Sie hier.




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Seite zuletzt geändert am: 13.06.2013 08:13:00, ursprünglich angelegt am: 12.06.2013 15:23:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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