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Startseite : Prävention allgemein : Beiträge - 2014 : Geschlecht und Mundgesundheit


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Zusammenfassung des vorhandenen geschlechtsspezifischen Wissens


Mittwoch, 17. September 2014

Welchen Einfluss hat das Geschlecht auf die Mundgesundheit?


ZahnkontrolleEine systematische Aufarbeitung dieser Forschungsfrage steht für den Bereich der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde noch aus. Mit ihrem Beitrag liefert Dr. Dr. Christiane Gleissner nun eine Zusammenfassung des derzeit vorhandenen geschlechtsspezifischen Wissens und zeigt zukünftige Forschungsperspektiven auf.

Geschlechterspezifische Unterschiede lassen sich für zahlreiche Erkrankungen der Mundhöhle aufzeigen. So belegen nationale wie internationale Studien, dass Frauen in allen Altersgruppen häufiger Karies entwickeln als Männer. Bereits 15-jährige Mädchen weisen signifikant mehr an Karies erkrankte Zähne auf als gleichaltrige Jungen. Dieser Befund setzt sich auch im Erwachsenenalter fort.

Ursachen für eine höhere Kariesanfälligkeit bei Frauen konnten bislang noch nicht abschließend geklärt werden, da die komplexe Interaktion zwischen biologischen und soziokulturellen Faktoren die Identifizierung ursächlicher Parameter erschwert. Studien liefern jedoch Hinweise dafür, dass biologische Unterschiede zu einer höheren Kariesanfälligkeit bei Frauen beitragen. Darüber hinaus wird dem Einfluss von Hormonen sowie einem geringeren Speichelfluss Bedeutung beigemessen - letzterer wird insbesondere durch die Einnahme von Medikamenten, die häufiger Frauen verordnet werden, begünstigt.

Männer hingegen weisen im Vergleich zu Frauen häufiger Parodontitis auf. Gründe für einen fortschreitenden Stützgewebsverlust sind bisher weitgehend ungeklärt. Mögliche Ursachen lassen sich Studien zufolge einer schwächeren Immunantwort auf pathogene Bakterien zuschreiben. Darüber hinaus werden eine höhere Zahnanzahl, eine schlechtere Mundhygiene und verhaltensbedingte Risikofaktoren als mögliche Ursachen diskutiert.

Insbesondere dem Risikofaktor Rauchen schreibt die Wissenschaftlerin in diesem Zusammenhang eine wichtige Bedeutung zu, denn dieser kann das Parodontose-Risiko um den Faktor 7 erhöhen. Erste Hinweise für einen geschlechterspezifischen Effekt des Rauchens liefern Daten des National Health and Nutrition Surveys NHANES. Diese belegen, dass bei Personen, die niemals geraucht haben, keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Hinblick auf die Entwicklung von Parodontalerkrankungen vorliegen. Raucherinnen und ehemalige Raucherinnen hingegen weisen im Vergleich zu Rauchern seltener sogenannte Attachement-verluste (Verlust von Substanzen im Bereich des Zahnhalteapparats)auf.

Geschlechtsspezifische Unterschiede werden Studienergebnissen zufolge ebenso durch individuelles Mundgesundheitsverhalten sowie regelmäßige Zahnarztbesuche beeinflusst. Hier lässt sich für Frauen eine positivere Bilanz ziehen: Sie pflegen ihre Zähne besser und nehmen Kontrolluntersuchungen häufiger wahr.

Abschließend stellt die Autorin die geschlechterspezifische Betrachtung als einen weiteren, wichtigen Baustein für eine präventionsorientierte, individualisierte Zahnmedizin heraus, machte aber zugleich den zukünftigen Forschungsbedarf deutlich. Dieser betrifft insbesondere Fragen zur geschlechtsspezifischen oralen Physiologie, zur klinischen Symptomatik und zum Mundgesundheitsverhalten.


Quelle

Gleissner C (2014): Welchen Einfluss hat das Geschlecht auf die Mundgesundheit? Bundesgesundheitsblatt 2014. 57: 1099-1106.




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Seite erstellt am: 17.09.2014 08:58:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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